Dies ist die Geschichte von Raya
dem liebsten, schönsten und klügsten Hund der Welt:

Das erste Kapitel von Raya's Geschichte erzählt davon, wie sie überhaupt zu uns gekommen ist.

Der Tierschutzverein Berner and Friends wurde von einer Familie gebeten, ihren Wurf Berner Welpen zu vermitteln, und so wurden die kleinen Wonne"proppen" in Pflegefamilien gegeben, damit sie von dort in Fürimmerfamilien vermittelt werden konnten.
 (Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es anders war, aber wie auch immer, sie waren im Verein und haben eine Familie auf Lebenszeit gesucht.)

Es waren 5 Rüden und 3 Hündinnen. Natürlich haben wir ihre Entwicklung verfolgt und begierig die Fotos geguckt, aber ich (die Chefin) bin nicht wirklich auf die Idee gekommen, einen der kleinen Racker bei uns aufzunehmen. Selbst dann nicht, als mein Mann einmal (!!!) betont hat, wie doll niedlich doch die eine Hündin aus dem Wurf ist. Sie waren alle ganz doll niedlich, aber diese eine hatte etliche Sommersprossen auf der Nase... Ich habe das leider nicht als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Wach bin ich erst geworden, als ich ihm erzählt habe, dass ausgerechnet diese Hündin nun Kennenlernbesuch bekommt. Ich dachte er freut sich mit der Kleinen, dass sie eine Familie gefunden hat. Aber nein, statt dessen war er traurig, dass nicht wir diese Familie sind. Da wurde mir erst bewusst, wie wichtig es ihm ist, unser Rudel wieder auf 4 Stammhunde zu vergrößern. Da noch eine Hündin in ihrer Pflegefamilie auf ein neues zu Hause gewartet hat, haben wir uns noch einmal intensiv mit ihrem Tagebuch befasst, wir haben zusammen noch einmal ganz genau überlegt, ob es JETZT für uns (Menschen und Hunde), und somit auch für den Welpen passt. Was soll ich sagen... Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es sogar sehr richtig ist JETZT einen Welpen bei uns aufzunehmen, und somit hat mein Mann ruckzuck unsere Bewerbung an den Verein geschickt. Normalerweise bin ja ich immer die treibende Kraft hier wenn es um das Thema Hunde geht. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung, dass er da das Zepter mal in die Hand genommen hat.

Keine zwei Wochen später hat er sie abgeholt, und nun ist sie hier bei uns und macht uns ganz viel Freude. Sie ist ein sehr aufgeweckter Welpe, der sehr offen durchs Leben geht. Sie ist sehr selbstbewusst (um nicht zu sagen ziemlich frech *lach) und hat immer gute Laune. Sie ist sehr erzählfreudig und so übermütig, dass sie schon den Spitznamen "kleiner Terrorkrümel" weg hat. Sie war noch gar nicht hier, da war sie schon ganz tief in meinem Herzen. Sie ist unglaublich klein und süß und niedlich, aber sie ist auch deutlich unterentwickelt und sehr sehr dünn.

Kleine Raya, wir wünschen dir ein super schönes Leben bei uns, und wir hoffen, dass ihr Hunde ganz schnell zusammen wachsen werdet, damit ihr eine Einheit bildet und ganz viel Spaß zusammen habt!

Stand 16.12.2010



Klein Raya ist heute auf den Tag genau ein Jahr bei uns. Die kleine Motte ist sehr sehr süß, und sie hat sich ganz tief in unsere Herzen geschlichen. Leider ist sie aber auch sehr "chaotisch", was das Zusammenleben mit ihr manchmal echt anstrengend macht. Sie regt sich sehr schnell auf, kann sich schlecht konzentrieren, bellt und "jammert" sehr viel, ist oft hektisch, und es ist schwierig ihr einen Rahmen zu geben und sie "abzuholen". Aber sie arbeitet super gerne mit mir, das ist ihre Welt und daran hat sie sehr viel Spaß. Sie möchte total gerne alles richtig machen, aber wenn "etwas" passiert (was wir oft nicht einmal merken, sehen oder erklären können), oder sie "etwas" sieht, was sie verwirrt, oder was sie falsch verknüpft, dann fällt bei ihr eine Klappe, sie wird hektisch und kopflos, und es dauert dann sehr lange bis ich sie wieder runtergefahren habe. Wegen ihr habe ich ein TTouch Seminar besucht. Das war sehr spannend und diese Technik hilft ihr manchmal sich ein wenig schneller wieder zu beruhigen. Auch sie ist wieder ein Hund, von dem ich unheimlich viel lernen darf, weil sie einfach ganz anders ist als alle anderen.

Wir hatten sehr schnell gemerkt, dass sie doch nicht so sicher und cool ist, wie wir in den ersten Tagen dachten, zumindest nicht immer. Bei ihr ist es nicht so wie bei Aimee, dass Umweltgeräusche ihr Angst machen oder Gewitter oder Menschen, bei ihr ist es eher so, dass sie jegliche Schwingungen (positive wie negative) aufsaugt wie ein Schwamm und diese sofort spiegelt. Wäre sie ein Mensch würde man wohl von Hochsensibilität sprechen. Ich habe grundsätzlich versucht ihr viel Ruhe zu geben, und es schien so als wären wir auf einem guten Weg. Sie hat recht lange gebraucht um mit den anderen Hunden eine Einheit zu werden (sie wäre als Einzelhund sicher deutlich besser aufgehoben gewesen, das hat die Pflegefamilie leider nicht erkannt), aber auch das haben wir gut hinbekommen. Auch wenn sie nach wie vor eine kleine hektische Krawalltüte war, war sie eigentlich richtig gut unterwegs. Im Mai 2011 bin ich mit meiner Freundin und Asja und meinem Rudel 10 Tage in ganz Deutschland unterwegs gewesen. Sie hat das ganz toll gemeistert. Ständig andere Unterkünfte, viele Hundetreffen, das volle Programm und Raya mittendrin. Ich war mächtig stolz wie toll sie da mitgemacht hat. Mittlerweile war sie auch so was von angekommen im Rudel. Sie hat irgendwann die Vorzüge für sich entdeckt, dass man dort einfach abtauchen und mitschwimmen kann, und dass das für ihr Nervenkostüm (und meines) sehr viele Vorteile hat.

Jaaa und dann ist sie mit 8 Monaten das erste mal läufig geworden. Danach gab es große Rückschritte und es wurde wieder schlimmer. Ich kann es schlecht in Worte fassen. Sie machte auf mich den Eindruck, als wäre sie sich irgendwie selber im Weg. Sie möchte immer so gerne, weiß aber eben oft nicht wie, und in solchen Situationen lässt sie sich auch nur sehr bedingt von mir helfen (das ist leider auch ein Stück weit immer so geblieben). Man kann es leider nicht anders sagen, Raya hat psychisch wirklich ein ganz schön dickes Päckchen zu tragen. Nach der Läufigkeit, als sie in der Phase der Scheinmutterschaft war, war es ganz extrem. Sie hatte heftige Angstzustände, es sah dann oft aus, als wäre der Teufel hinter ihr her. An manchen Tagen hat sie sogar nach imaginären Fliegen geschnappt, sodass wir große Angst hatten, dass sie vielleicht Epi gefährdet ist (was sich im Alter dann leider auch bedingt bestätigt hat). All das ist ganz schön traurig mit anzusehen. Man möchte ihr dann so gerne helfen, kann aber nichts weiter tun als einfach für sie da sein.

Als wir diese Phase irgendwie überstanden hatten, hat sie angefangen zu Hause zu randalieren wenn wir nicht da waren. Auf einmal wollte sie partout nicht mehr ohne uns hier sein. Auch im Auto hat sie angefangen ununterbrochen zu bellen, wenn sie mal kurz warten musste. Es war auch egal, ob die anderen Hunde bei ihr waren oder nicht. Wir haben dann nach und nach die Räume wieder enger gemacht, und irgendwann zeigte dies auch Wirkung, aber es hat sehr lange gedauert. Gerade jetzt wurde sie das zweite mal läufig, und wir hofften sehr, dass sie in der nächsten Scheinmutterschaftsphase nicht wieder so schlecht dran ist, bzw. danach nicht wieder rückfällig wird.

Auch körperlich hat sie sehr viele Defizite. Kaum gab es im Frühjahr die ersten schönen Tage, da haben wir festgestellt, dass sie auf etwas allergisch reagiert. Ein umfangreicher Allergietest hat ergeben, dass sie leider auf sehr viele Stoffe, Pollen, Nahrungsmittelt etc. reagiert. Wir haben nun über viele Wochen ihre Immunabwehr stimmuliert und hoffen, dass sie besser durch das nächste Frühjahr kommt.

Da die Welpen die ersten 8 Wochen total mangelernährt wurden, hatte sie deutliche Defizite im Wachstum. Sie ist immer noch sehr klein und schmächtig, und der Halteapparat ihrer Hüfte hatte sich nicht so ausgebildet wie es sein sollte. Ihr Gangbild war zeitweise grottenschlecht, so dass ich mit ihr zu einem Spezialisten gegangen bin. Der konnte zum Glück Entwarnung geben, weil die Hüfte an sich gut aussieht, aber die Muskeln und das Bindegewebe hatten sich nicht vernünftig entwickelt, so dass sich diese noch weiter ausbilden mussten, damit alles schön fest zusammengehalten wird. Da waren wir dann wirklich sehr erleichtert. Endlich etwas, was wir definitiv in den Griff bekommen würden.

Da ich unbedingt mit ihr arbeiten wollte, schnelle Sportarten aber auf keinen Fall in Frage kamen, da sie ja eh schon immer so aufgeregt war, machte ich ein ZOS-Seminar mit ihr. Bei der Zielobjektsuche musste sie sich anstrengen, aber es ist eine ruhige Arbeit. Dies kommt ihr sehr entgegen. Es war sehr interessant dort mit ihr, aber auch bei diesem Seminar zeigte sie ganz deutlich, dass sie anders ist als alle anderen. Für sie mussten wir vom "normalen" Weg abweichen und uns Alternativen überlegen. Schon beim ansetzen auf den ersten Gegenstand hatte sie sofort eine Fehlverknüpfung und ist direkt aus dem Training ausgestiegen. Mit viel Ruhe haben wir es geschafft, dass sie wieder mit uns gearbeitet hat. Das war schon ein großer Erfolg. Vor ein paar Wochen hätte ich das Seminar wahrscheinlich ganz abbrechen müssen, dieses Mal hat eine Pause außerhalb des Seminarraumes gereicht. Somit freue ich mich, dass wir offensichtlich immer weiter Schritt für Schritt voran kommen.

Sie ist einfach so süß, so sehr liebenswert und so einmalig, dass sich jede noch so große Anstrengung lohnt, damit auch sie irgendwann ein ruhiges und entspanntes Bernerleben leben kann. Ich werde alles dran setzen, dass wir es schaffen!

Somit geht ein sehr aufregendes und schönes, aber auch oft aufreibendes Jahr mit der lustigen Motte zu Ende. Das nächste Jahr wird sicher genau so aufregend werden, denn sie ist der Hund, mit dem ich meine Trainerprüfung ablegen möchte. Natürlich ist das ein großes Risiko für mich, weil sie so sehr sprunghaft ist, aber sie ist auch sehr auf mich fixiert, und ich hoffe, dass wir das gemeinsam schaffen werden. Ich bin seeeehr gespannt wie sie sich weiterentwickelt, und natürlich werde ich hier weiter über sie berichten.

Stand 10.12.2011



Natürlich kommt es immer anders als man denkt... Ich habe zwar in 2012 meine Trainerprüfung abgelegt und auch bestanden, aber ich bin nicht mit Raya sondern mit Hardy an den Start gegangen. Aber der Reihe nach...

     In 2012 bin ich so gut wie jedes Wochenende und auch mehrere Wochen zu Trainerseminaren gefahren. Raya durfte zusammen mit Tyla sehr oft mit und das hat ihr total gut getan. Tyla war ihr vom Typ am nächsten und die beiden haben das ganz toll gemacht. Raya hat auch hier die Schwingung sofort aufgefangen, dass wir in (zumindest für mich) total wichtiger Mission unterwegs waren und daran ist sie gewachsen. Ich bin in dieser Zeit auf sehr viele tolle, namhafte Trainer gestossen und habe immer die Gunst der Stunde genutzt Raya und ihre Geschichte vorzustellen. Zum einen weil ich von Außenstehenden, die nicht betriebsblind und emotional involviert sind, mehr über meinen Hund erfahren wollte und zum anderen weil für mich die Entscheidung im Raum Stand Kastration ja oder nein. Es ist ein sehr tiefgreifender Eingriff in den Organismus und wenn sich hinterher rausstellen sollte, dass es ein Griff ins Klo war, dann kann man es nicht rückgängig machen. Von daher habe ich mir die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Fakt war, dass es Raya von Läufigkeit zu Läufigkeit zumindest während der aktiven Phase von mind. 2 x 2 Monaten (die Intervalle wurden immer kürzer) im Jahr nicht gut ging und das dieser Zustand eher schlimmer statt besser wurde. Auch Fakt war, dass ich mir zwar gewünscht hatte, dass sie sich durch die Läufigkeiten weiterentwickelt, das dies aber leider nicht so war. Gefühlt war eher das Gegenteil der Fall. Als mir dann auch von Außen bestätigt wurde, dass die Chancen deutlich besser stehen, dass es ihr gut tut als ihr schadet, habe ich mich sehr schweren Herzens Ende 2012 durchgerungen die Motte kastrieren zu lassen. Es ging mir alles andere als gut dabei, und ich hatte große Sorge, dass es ein riesen Fehler ist. ABER... alle Sorgen waren umsonst, es war für sie absolut die richtige Entscheidung. Nachdem sie sich von dem Eingriff erholt hatte (die OP war prima verlaufen, es wurden tatsächlich an beiden Eierstöcken Zysten zutage gefördert), ging es ihr definitiv besser.

Das Jahr 2013 hat Raya dann mit mir ganz viel ausprobiert. ZOS hatten wir ja schon gemacht, dies war uns aber auf Dauer zu langweilig. Wir wollten zwar ein ruhiges Training, aber bissl mehr Bewegung sollte es dann doch sein. Longieren fand ich auch nicht schlecht, aber da war mir dann doch zu viel Action drin, auch wenn es hierbei nicht ums Laufen an sich geht. Dann haben wir eine Weile die Trickarbeit für uns entdeckt. Clickern war bis dahin nicht so mein Ding, aber um Tricks zu lernen gibt es kaum was besseres. Das hat uns dann schon deutlich mehr Spaß gemacht. Raya ist wirklich ein richtiges kleines Arbeitstierchen und sie ist so eifrig und freudig bei der Sache, dass man sehr aufpassen muss, dass man es nicht übertreibt mit ihr. Was ich soooo gerne machen wollte war Mantrailing und somit war ich lange Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Trainer für Raya und mich. In 2013 hatte ich endlich einen gefunden und das war genau nach unserer Mütze. Trailen ist wirklich ein mega toller Sport für Hund und Mensch. Eine sinnhafte mentale Auslastung und viel Bewegung an der frischen Luft. Uns beiden tut das sehr sehr gut und Raya hat das von Anfang an auch wirklich klasse gemacht! Sie entwickelt auch bei dieser Arbeit sehr viel Ehrgeiz und somit sind wir mitlerweile richtig gut unterwegs. Sie selbst hat sich in diesem Jahr super klasse gemacht. Sie ist ruhiger und ausgeglichener, sie kann wieder viel besser alleine bleiben, das imaginäre Fliegenschnappen gibt es gar nicht mehr und auch sonst stellt sich alles auf einmal deutlich entspannter dar als noch vor einem Jahr. Was auch noch besonders zu erwähnen wäre... Sämtliche Allergien scheinen sich vom Acker gemacht zu haben :-). Im Frühjahr und im Sommer gab es noch mal zwei kurze Phasen wo sie viel mit Juckreiz zu tun hatte, aber da war jeweils die Pollenbelastung sehr hoch, auf Nahrungsmittel hat sie gar nicht mehr reagiert. Somit waren wir glücklicherweise auch diese blöde Baustelle los (dies ist auch für immer so geblieben). Kurz... wir waren auf einem richtig guten Weg unterwegs, was uns alle sehr froh gemacht hat!!

Das Jahr 2014 verlief dann ein wenig turbolent... Zum einen hatte ich sehr viele Trainereinsätze, was mich natürlich sehr gefreut hat, was aber natürlich auch dazu geführt hatte, dass ich weniger Zeit für meine Wauzis und somit auch für Raya hatte. Dazu kam noch, dass wir uns einen alten Hof gekauft haben wo es vor und nach dem Umzug sehr viel zu tun gab, und als Krönung kam dann noch dazu, dass bei Tyla nacheinander beide Kreuzbänder operiert werden mussten, was mich natürlich auch sehr in Beschlag genommen hat. Kurz gesagt für Raya hatte ich nicht so viel Zeit wie sonst, was mir sehr leid getan hat, denn sie brauchte bis dahin einfach sehr viel Ansprache von mir. Aber wie eigentlich immer hat sie gemerkt, dass es wichtig ist für mich zu tun was ich eben tun musste, und sie hat diese Zeit erstaunlich gut gemeistert! Sie hat nicht wie sonst üblich gejodelt und gemeckert, sondern sie hat es, meistens zusammen mit Hardy an der Seite, einfach so hingenommen. Wenn Raya-Time war, dann hat sie sich doll gefreut, wenn nicht war es auch o.k. für sie. Das war klasse, und für mich ein Zeichen, dass sie nun wirklich erwachsen geworden ist. Da bin ich  wirklich sehr stolz auf sie!

Anfang 2015 hat sich hier alles mächtig zugespitzt. Ende 2014 haben wir erfahren, dass Tylas Knie nur die Spitze vom Eisberg waren, ihr wahres handicap war, dass bei ihr DM (Degenerative Myelopathie) ausgebrochen und diese schon in vollem Gang war, bei Hardy wurde immer deutlicher sichtbar, dass er einen Tumor im Kopf hat, und dass Aimee ebenfalls leider doll an Krebs erkrankt war :-(. Somit drehte sich hier fast ausschließlich alles um die erkrankten Wauzis. Raya hat es erst einmal mit sehr viel Fassung getragen, was mich sehr froh gemacht hat. Vielleicht war es aber auch eine Art Schockstarre, weil sie sicherlich gespürt hat, dass wir auf einen großen Scherbenhaufen zusteuern. Nachdem wir in 2014 eine Trailpause eingelegt hatten, weil die Zeit dafür fehlte, habe ich in 2015 eine eigene Gruppe gegründet. Die Trailtage haben Raya und ich immer sehr genossen. Dies war Zeit, in der es nur uns gab. Außerdem bin ich, sofern es irgendwie zeitlich ging, mit ihr alleine losmarschiert über Stock und Stein, das liebt sie auch über alles. Obwohl wir nur sehr wenig Zeit für uns hatten, war diese dann sehr intensiv was uns beiden sehr gut getan hat.

Nachdem Tyla und Aimee uns dann im Juni bzw. Juli verlassen haben sind wir ein wenig in uns zusammengefallen. Man merkt natürlich auch bei den Wauzis deutlich, dass nichts mehr so ist wie es mal war. Hardy und Raya sind extrem ruhig. Ich bin mit beiden auch gerade nicht sonderlich aktiv, schon deswegen nicht weil es den August über viel zu heiß dazu war, aber wir liegen sehr viel in unserem tollen großen Garten im Schatten und dann ist Komakraulen angesagt, was wir alle ganz schön finden. Raya ist auch nach wie vor sehr oft ganz nah bei Hardy, das finde ich total süß.

 Nun wird es hoffentlich ganz bald kühler, und wir hoffen auf einen schönen Herbst, wo wir viel mit den Wauzis unterwegs sein können.

 Stand 27.08.2015



Die letzten Monate in 2015 waren noch einmal sehr turbolent für uns alle. Der September und Oktober waren für Raya und mich gute Monate, da wir viel Zeit füreinander hatten und es endlich nicht mehr so dolle warm war. Somit konnten wir regelmäßig trailen und auch sonst haben wir viel unternommen. Natürlich lastete die Trauer auf uns, aber immer wenn wir unterwegs waren gab es nur uns und nicht all das was hinter uns lag. 

Als uns dann Ende Oktober unser Hardy verlassen hat, das war - vor allem für Raya - wirklich schlimm! Die beiden waren zu der Zeit sehr eng miteinander und wie es innerlich in ihr aussah, da mag ich gar nicht drüber nachdenken. Wie schlimm es sie tatsächlich getroffen hat haben wir hauptsächlich daran gemerkt, dass sie unglaublich still war, sehr wenig gebellt hat und sehr in den Hintergrund getreten ist, was ja sonst alles so gar nicht ihre Art war. Ich habe versucht noch viel mehr als sonst mit ihr zu machen, habe sie ganz viel mitgenommen wo immer es ging. Ganz alleine Zuhause sein, das fand sie schlimm, somit haben wir Arbeitszeiten verlegt wo wir konnten etc. um ihr die Zeit zu erleichtern. Ich hatte auch irgendwie das Gefühl, dass sie den Fortgang der 3 Hunde, spätestens mit dem von Hardy, mit mir persönlich in Verbindung gebracht hat. Sie war immer mit dabei, und ich hatte bis dahin auch gedacht, dass das richtig so ist, damit sie eben auch genau weiß was mit ihren Freunden passiert ist und es auch für sich verarbeiten und abschließen kann. Rückblickend glaube ich, dass genau das für sie nicht gut war. Irgendwie hat es innerlich ihre kleine fragile Welt und leider auch die Beziehung zu mir ganz arg zerrüttet. Bei dem unglaublichen Verlust von ihrem "Rudel", ihrem sicheren Hafen, hat sie sich auch ein Stück weit selber verloren. Sehr sehr traurig das so zu realisieren :-( .

Als dann am 18.11.2015 der kleine Daris bei uns eingezogen ist, da ist sie zack wieder da die Krawallnudel Raya. Sie ist lauter denn je, ganz besonders bei Hundebegegnungen (das kannten wir bis dato so gar nicht) wenn Daris auch mit dabei ist. Bin ich mit ihr alleine unterwegs sagt sie in solchen Situationen weiterhin keinen Mucks, aber wehe er ist mit dabei, dann gibt sie alles. Sie ist und bleibt ein sehr besonderer Wauz. Gerade was die Bellerei angeht habe ich schon sooooo viel rumlaboriert. Es ist leider ihr - aus ihrer Sicht - bestfunktionierendes Stressventil, und somit nehmen wir es erst einmal wie es ist. 

Wir gehen nun frohen Mutes und mit viel Zuversicht mit Raya ins Jahr 2016, und ich hoffe und wünsche mir sehr, dass sie gesund bleibt, und dass sie den Verlust ihrer Freunde überwindet und mit dem kleinen Daris ein tolles Team wird. Sie mag den Lütten sehr, aber weil er noch so klein ist kann sie noch nicht so wirklich viel mit ihm anfangen. Ich hoffe, das ruckelt sich alles zurecht, und dass es ganz bald so ist, als wären die beiden schon immer zusammen.

Stand 08.12.2015



Die Zeit rennt einfach nur so dahin... Nun haben wir schon 2017... Echt verrückt!

Für Raya und für mich war das Jahr 2016 aufregend. Erst konnte sie ja mit klein Daris nicht so wirklich viel anfangen, aber je größer er wurde, desto mehr Interesse hatte sie an ihm. Irgendwann hat sie sogar eine Zeit lang oft mit ihm gespielt, aber diese Momente sind so schnell wieder gegangen wie sie gekommen sind. Was sie liebt ist mit ihm im Garten zu liegen und die Welt zu beobachten. Natürlich um sofort mega zu bellen wenn sie was sieht oder hört. Das war immer so und wird immer so sein. Die Zeit ist so dahingeplätschert und zack war Sommer und schwups kam auch schon das Fräulein Mila zu uns. Tja und mit dem Einzug von Mila hat sich wieder mal etwas ganz arg verändert. Die kleine wuselige Motte war für Raya erst mal wieder zu dolle und sie hat sich bissi zurückgezogen. Aber sie hat auch ganz schnell gemerkt, dass Daris ihr den Part des Spielkameraden liebend gerne abnimmt und so ist sie schnell wieder präsent gewesen. Der große Vorteil für sie in dieser 3er Wauzel-WG ist, dass ich wieder ganz viel mit ihr alleine unterwegs bin. DAS ist ihr absolutes Highlight. Sie ist super glücklich damit hier in einem Rudel zu leben und sie nimmt auch Besuchshunde sehr nett auf, das ist alles prima, aber unsere Alleingänge die liebt sie über alles - und ich ehrlich gesagt auch. Wenn ich mit ihr so durch "unseren" Wald laufe (oder wo auch immer), dann steht für uns ein wenig die Welt still. Wir können dann die Seele baumeln lassen und wir sind uns so nah wie sonst nie, nicht körperlich da macht sie ja gerne immer ihr eigenes Ding, aber mental. Ich brauche nur gucken und schon ist sie an meiner Seite. Kommen Leute, egal ob mit oder ohne Hund, sie ist sofort an meiner Seite. Was auch immer passiert, sie ist ganz neutral, leise, leichtführig und fest an meiner Seite. Und genau das bringt ihr auch für die Normalotage ein wenig Ruhe und Kraft und mir übrigens auch. In diesen Zeiten fühlt es sich für uns beide so an wie früher, wo unsere Beziehung stabil und richtig gut war. Sind wir dann wieder Zuhause im "Alltag", fühlt es sich direkt wieder so an als würde etwas zwischen uns stehen. Ich kann es nur fühlen, aber nicht vernünftig in Worte fassen. Vielleicht liegt es ja auch nicht an mir oder an unserer Beziehung sondern an diesem Ort? Oder im Kontext meine Wenigkeit und dieser Ort? Ich weiß es nicht.

Große Besonderheiten gab es in 2016 nicht. Muss aber auch nicht. Wir alle waren sehr sehr froh, dass es ein ruhiges und entspanntes Jahr mit viel Zeit für die Wauzis war.

Raya wird immer eine Pipi Langstrumpf bleiben, aber sie ist auch sehr sehr erwachsen geworden in der Zeit, in der wir jetzt hier auf dem Hof leben.
 

Stand 10.01.2017



Nun haben wir Mitte 2018 und aus der erwachsenen Raya wird tatsächlich schwupps ein kleines Omili. Das ist wirklich verrückt wie schnell so ein Berner altern kann, und auch wenn die Senioren immer ihren ganz besonderen Scharm haben, macht es auch irgendwie Angst. Als wir am Mittwoch trailen waren, war es relativ warm und ich war wirklich erschrocken wie kaputt sie nach dem Training war. Natürlich überlaste ich sie nicht, aber gerade war sie doch noch die Rakete, die nicht stillstehen konnte, und nun zack fangen wir schon an die Laufrunden und Training zu verkürzen, damit sie dieses locker schafft. Wenn man ihr ins Gesicht schaut, dann kann man auch schon sehr viel mehr weiß um das Näschen entdecken und auch an den Augen sieht man, dass sie den Zenit bereits überschritten hat.
 Ich hoffe sehr, dass sie weiterhin gesund bleibt, damit wir noch ganz viel Zeit zusammen haben.

Was sich hier Raya betreffend verändert hat ist, dass Dieter nun den Wald- und Wiesenpart übernommen hat. Er hat es für sich entdeckt mit Raya, oder auch mit beiden Mädels, zumindest am Wochenende, durch die Wallachei zu marschieren, und auch wenn ich diese Zeiten alleine mit Raya immer sehr genossen habe, finde ich das toll, dass er das macht.  

Was sich nicht verändert hat ist, dass Raya immer noch extrem schnell aufdreht, ganz viel bellt und sehr schnell hektisch wird. Sie war ja mental eh immer sehr schnell am Limit und dieser riesen Verlust, der hat etwas mit ihr gemacht, was wir als Menschen einfach nicht kompensiert bekommen. Mit dem 4er Gespann konnte sie überall ruhig und sinnig mit Dieter und/oder mir laufen. Das ist immer alles total geordnet und ruhig und schön von statten gegangen. Jetzt ist das nur noch mit einem von uns Menschen alleine, oder maximal mit Mila zusätzlich an der Seite möglich. Ist Daris dabei oder ein weiterer Mensch, ist sie auf den Spaziergängen kaum zu bändigen wenn es zu Begegnungen mit anderen Mensch/Hund-Teams kommt. Sie ist dann so was von reizüberflutet... Das tut mir für sie sehr leid, dass sie sich da immer so arg aufregen muss. Natürlich habe ich daran ganz viel mit ihr gearbeitet, aber je mehr ich es in den Fokus gerückt habe, desto unschöner wurde es. Egal was ich mache, ich erreicht sie leider nicht. Somit haben wir nun beschlossen es erst einmal so hinzunehmen, dass es ist wie es ist. Sie bekommt so viele Alleingänge wie es uns irgendwie möglich ist, und wenn es mal nicht geht und wir Begegnungen haben, dann heißt es für uns alle "Augen zu und durch" und fertig. Im Grunde war sie schon immer ein klein wenig "verkorkst" und natürlich wird das im Alter nicht besser. Ist ja bei uns Menschen genauso. Ich möchte einfach nicht mehr so viel an ihr "rumbasteln". Das habe ich ihr ganzes Leben lang, also die letzten 8 Jahre, gemacht. Jetzt lasse ich sie erst einmal laufen wie sie ist und hoffe ganz doll, dass das in ihrem Interesse ist, und dass es sich wieder von alleine "rauswächst". Schade ist nur, dass ich zzt. nicht mit den dreien einfach mal so losmarschieren kann, denn es ist nicht nur für Raya unschön, die beiden "Kleinen" lassen sich leider ziemlich von Raya's Getöse anstecken, und das ist natürlich auch nicht sinnig und für uns alle stressig.   

Mit Daris und Mila versteht sie sich nach wie vor total super gut und auch mit den Gasthunden ist alles prima. Zeitweise mag sie gerne den Trubel, und manche Hunde findet sie besonders attraktiv, das zeigt sie dann auch ganz deutlich.

Gesundheitlich sag ich mal nix, oder nur so viel, dass ich mich freue wenn alles so bleibt wie es ist. 

Seit zwei Jahren Pause hat sie diesen Sommer mal wieder die Kuhle unter dem Kirschlorbeer an der Terrasse für sich entdeckt. Dort liegt sie super gerne und beobachtet was so auf der Straße los ist. Das ist wirklich total süß und ich freue mich für sie, dass sie draußen so ein schönes Plätzchen hat, wo sie sich wohl fühlt. Wir haben ja dieses Jahr einen ganz tollen Sommer und den genießen wir in vollen Zügen.

Stand 07.07.2018



Wir haben nun den 04.04.2024 und ich schreibe das letzte Kapitel in Rayas Geschichte. Sehr viele Jahre sind vergangen. Sehr viel Schönes und Unschönes ist in diesen Jahren passiert...

Im Herbst 2018 sind wir mit den 3 Hunden in den Urlaub gefahren an die Geltinger Bucht. Hier Zuhause war es schon schwierig für Raya wenn wir alle zusammen unterwegs waren, wie wenig sie das wirklich "aushalten" konnte, das hat sich dann im Urlaub offenbart. Leider hatten wir eine Unterkunft, die nicht so war wie beschrieben, somit gab es keine Möglichkeit die Hunde auch mal laufen zu lassen. Dieses hat dazu geführt, dass sich mächtig viel Dampf unter dem Kessel angestaut hat. Entladen hat sich das Ganze dann, wie soll es anders sein, in Begegnungen *seufz. Dies war nun mal ihre Dauerbaustelle seit sie den sicheren Hafen ihres ersten Rudels verloren hatte. Es waren für uns alle, Hunde wie Menschen, sehr anstrengende Tage und im Grunde war für uns nach dem Urlaub klar, dass wir es ihr und uns und den anderen Hunden nicht noch einmal zumuten werden mit allen gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Sie hat das einfach nicht mehr geschafft und gerade auch für Mila und Daris waren diese Ausbrüche sehr belastend bzw. gerade Mila hat sich davon auch ordentlich anstecken lassen und mitgemischt, was wir natürlich unbedingt vermeiden wollten.

Als wir wieder Zuhause waren haben wir hier immer mal wieder versucht zumindest mit allen einen kleinen Ausflug zu machen, damit alle zusammen mal etwas anderes sehen und schnüffeln können. Gemeinsame Qualitätszeit für alle sozusagen. Mal ging das gut, da haben wir uns gefreut und waren frohen Mutes das zu wiederholen und dann ging es wieder voll in die Grütze. So ging es eine Weile hin und her bis wir beschlossen haben, dass wir uns auch das zukünftig - jedenfalls mit allen zusammen - schenken werden. Wir (also Menschen und Hunde) sind Rayas letzten Jahre grundsätzlich getrennt unterwegs gewesen. So war es für uns Menschen und alle Hunde sehr entspannt, egal wo wir waren und egal wen oder was wir getroffen haben. 

Für unsere täglichen Spaziergänge, oder was auch immer, war das auch für uns gar kein Problem, da konnten wir super mit leben. Irgendwie war das sogar sehr entschleunigend, weil die Spaziergänge sehr intensiv waren und wir so auch immer Zeit mit jedem Hund einzeln verbringen konnten. Da es niemanden zum quatschen gab, war man somit wirklich eins mit sich und seinem Hund und der Natur. Das war so richtig Seele baumeln lassen und auch wirklich total schön.

Was aber tatsächlich traurig für uns war... Wir waren die ganzen Jahre immer sehr viel mit lieben Hundefreunden unterwegs, hatten regelmäßig tolle Treffen mit den Hunden und unseren Freunden und all das ging nun ebenfalls nicht mehr. Wenn wir mit den Hunden bei Freunden waren, dann hat sie sich dort an der Tür abgelegt und war bereits nach kurzer Zeit nassgesabbert, so viel Stress hat ihr das gemacht. So ein klein wenig einsam macht ein Hund wie Raya, das muss man ehrlicherweise so sagen, weil unsere "Berner"freunde eben auch nicht nebenan wohnen, wo man mal fix rüberlaufen kann um sich zu treffen. Sie sind verteilt von Lüneburg bis Oldenburg und noch einiges weiter weg und da wären die Hunde, die Zuhause bleiben müssen, eben echt lange alleine. Da das nun mal so gar nicht unser Ding ist, die Hunde über viele Stunden alleine zu lassen, wir für Raya aber natürlich auch diesen dollen Stress nicht wollten, fanden auch unsere Sozialkontakte fast nur noch getrennt statt. 
Meist ist Dieter mit Hund(en) Zuhause geblieben. Was tut man nicht alles...

Nun kann man natürlich sagen… du bist doch Hundetrainer, das musst du doch hinbekommen… 
Tja, sie hat mich gelehrt, dass nicht alles trainierbar ist. Manchmal kann man sich noch so viel Mühe geben und noch so viel ausprobieren und noch so tolle Ideen haben, andere Trainer und Tierärzte hinzuziehen… Es ist ja nicht so, dass wir einfach von einem auf den anderen Tag resigniert haben, weil wir zu bequem waren. Ganz im Gegenteil. Unser Leben mit Hund(en) war noch nie so kompliziert wie jetzt. Man kann es aber eben auch nicht erzwingen. Ich habe mich eine ganze Weile mit Autismus und teilweise auch ADHS bei Hunden beschäftigt. Ich habe dazu aber leider nicht viel Wissenschaftliches bzw. sinnige Studien gefunden, offenbar ist vor allem Autismus noch ein recht unbeschriebenes Feld, und ob uns mehr Wissen darüber geholfen hätte stelle ich tatsächlich auch in Frage. 
Jaaa und irgendwann bleibt einem dann halt nur noch Management der Situation wie sie eben ist und ein offener Blick dafür, für alle eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. 

Und auch den Blick für die schönen Momente - die es natürlich auch gab, sehr sehr viele sogar!
 
Es hat aber schon auch echt weh getan zu sehen und zu erleben wie es sich hier verändert hatte mit den Hunden. Und ja natürlich kratzt das auch an meinem Ego. Ich bin früher mit 5 Hunden (ein Angsthund und ein instabiler Hund dabei und danach dann mit 4 Hunden INKLUSIVE RAYA) völlig easy und leise und so wie man es sich vorstellt durch JEDE Situation gegangen. Immer waren ALLE Hunde mental und meist auch physisch eng bei mir/uns, das war ganz selbstverständlich. Wir ALLE waren eine völlig homogene Gruppe und auf einmal war ALLES anders. Ganz schwere Kost für mich! Bis Ende 2019 hatten wir uns damit arrangiert, und es war irgendwann völlig normal für uns, dass es nun so ist wie es ist.

Was dann ganz schleichend vonstatten ging... 
Sie hat sich hier Zuhause mehr und mehr zurückgezogen. Sind wir zum Spaziergang aufgebrochen oder war Futterzeit, oder war auf dem Hof was los. Da war Raya IMMER zur Stelle und direkt an vorderster "Front". Da war sie hellwach und laut und (re)aktiv wie immer. Auch wenn ich rüber in den Seminarraum oder nach hinten auf den Hundeplatz gegangen bin, da war sie immer die erste die vor der Tür gestanden hat. Wenn es also etwas "zu tun" gab war sie sofort ON. War aber nichts los, war sie viel im hinteren Bereich des Hauses und sehr für sich. Zeitweise war sie zugänglicher, hat sogar von selber Kontakt zu uns gesucht und dann gab es wieder Phasen wo sie sehr verschlossen und zurückgezogen war. Es war irgendwie immer eine Gratwanderung mit ihr, verbunden mit sehr sehr viel Herzschmerz für mich. Sie war da, aber irgendwie auch nicht. Sind wir "nur so" in den Garten gegangen ist Raya drin geblieben. Haben wir uns in der einen Haushälfte aufgehalten war sie in der anderen. Sind wir alle rechts rum die Gartenrunde gelaufen, ist sie linksrum gegangen. Sind wir ins Haus gegangen ist sie rausgegangen und ist dann auch gerne draußen liegen geblieben. Immer wieder und immer öfter sieht man diese bewusste Abgrenzung. Immer das eigene ungute Gefühl dabei, das sie ganz alleine unter vielen ist. Wenn ich sie ermuntert habe ist sie natürlich, vermutlich "mir zuliebe" dabei geblieben. War mein Fokus kurz weg, war auch Raya wieder weg. Ganz ganz schwer für mich zu ertragen! Und das ist im Grunde bis zum Schluss unterschiedlich ausgeprägt so geblieben..

Als sie dann in 2020 auch noch Anfälle (vermutlich PD, auch ein Tumor im Kopf wäre denkbar) bekommen hat war es ein weiterer tiefer Einschnitt. Am Anfang gab es wenige, kurze, sehr unspektakuläre Anfälle. Bei PD bleiben die Hunde bei Bewusstsein und sind auch hinterher direkt wieder klar und fit. Also haben wir uns erst nicht soooo viele Sorgen gemacht und auch Medikamente waren am Anfang keine Option, da Epi-Medikamente auch ziemlich viele unschöne Nebenwirkungen mit sich bringen können. Diese Anfälle wurden aber häufiger und länger. Das war dann tatsächlich eine Zeit wo sie ganz viel bei mir war. Da hat sie nach langer Zeit wieder mal aktiv meine Nähe gesucht, da konnte sie mal annehmen, dass ich ihr Halt gebe und darauf achte, dass ihr nichts Schlimmes passiert. Am Anfang haben wir die Anfälle einfach zusammen „ausgesessen“, aber mit der Häufigkeit und Intensität kam bei ihr immer öfter Angst auf. Das ging natürlich gar nicht! Das war auch eine Zeit, wo sie nicht mal mehr das Grundstück verlassen wollte, oder nur noch so weit wie sie das Haus sehen konnte. Wieder ein Schritt weiter weg von der Außenwelt und in die Zurückgezogenheit :-( . 

Wir haben sie dann 2021 auf Medikamente eingestellt. Das lief mega gut. Direkt das richtige Mittel gefunden und die Anfälle wurden sukzessive weniger bis sie wieder ganz ausgeblieben sind. Darüber haben wir uns mega gefreut, weil das absolut nicht selbstverständlich ist. Kaum war die Zeit der Anfälle vorbei, war auch Raya Zuhause wieder viel mehr für sich und zurückgezogen. Aber immerhin ihr Radius draußen hatte sich wieder vergrößert und sie wollte wieder mehr und auch Wege laufen, wo sie das Haus nicht mehr sehen konnte. Das war super! Sie hatte unterwegs auch wieder Spaß und war sehr lustig drauf. Das hat uns total gefreut. Allerdings konnte man deutlich merken, dass sie mit ihren 11 Jahren und der längeren Zeit der Minirunden leider sehr an Kondition verloren hatte. Und sie konnte offensichtlich nur noch einseitig schnüffeln und auch die Futteraufnahme funktionierte auf einmal nicht mehr wie sonst. Ich habe ihr die letzten zwei Jahre den Futternapf immer in einer bestimmten Position festgehalten, weil sie das Futter sonst nicht mehr gut aufnehmen konnte. Bei jedem anderen Hund hätte man den Napf in eine entsprechende Halterung gestellt und gut wäre es gewesen, bei Raya ging das so nicht. Sobald sich der Napf auch nur minimal bewegt und es gibt dabei ein Geräusch, hat sie sofort aufgehört zu fressen. Sie ist und bleibt eben sehr besonders.

Ihr Gangbild wurde „altersentsprechend“ (dachte wir erst) leider auch immer schlechter. Spondylose war ein Thema und sicher waren auch andere Gelenke nicht frei von Arthrose. Mit 12 Jahren ist ein Berner ja auch schon ein klein wenig ein Methusalem. Ich war schon über lange Zeit alle 6 Wochen mit ihr bei einer Osteopathin. Das fand sie total schön und das tat ihr auch richtig gut. Als dann vor allem der Hinterhand in 2023 immer auffälliger wurde haben wir im Sommer einen Versuch mit Librela gemacht. Dieser ist kläglich gescheitert. Da hatte ich das erste Mal die Idee, dass sie DM haben könnte, weil Schmerzen eben nicht der Auslöser war. Eigentlich war das am Ende das einzig Gute daran. Ich hab sie nicht mehr testen lassen. Wir hatten sie wie immer fest im Blick um jederzeit adäquat reagieren zu können.

Es ist dann auch total schnell fortgeschritten. Ihr Radius wurde wieder klein und kleiner und ab Spätherbst 2023 wollte sie auch nicht mehr Autofahren. Sie konnte sich bei der Schaukelei in keiner Position mehr halten. Nun konnte man auch deutlich sehen, dass die DM immer schneller und unaufhörlich voranschreitet. Sie hatte in den Hinterläufen gar keinen Takt mehr. Nur über Geschwindigkeit konnte sie sich noch tragen. Man konnte zusehen wie die Muskeln verschwunden sind. Immer öfter ist sie umgefallen, auch z. B. während des Lösens, was sie dann richtig schlimm fand, da sie natürlich nicht mehr schnell genug und selbstständig wieder hochgekommen ist und somit in ihren Ausscheidungen lag und Hilfe von mir brauchte. Diese Panik dann im Blick… ganz ganz schlimm! Auch die beginnende Urininkontinenz fand sie ganz schrecklich. Sie hat sich fast zwanghaft geputzt. Als es dann Ende Februar anfing auch auf die Vorderläufe überzugehen und sie auch dort immer öfter nur noch gestolpert ist, da war klar, dass wir nicht mehr viel Zeit zusammen haben werden. 

Dies alles mit anzusehen, wie ein Hund möchte, aber nicht mehr kann, fast täglich wird es schwieriger... Wenn man sie angesehen hat, dann konnte man sehen wie unendlich müde und erschöpft sie war. Es gab nicht mehr viele Highlights in ihrem Leben außer vielleicht was leckeres zu Essen. Spazierengehen ging nicht mehr, "arbeiten" ging schon ewig nicht mehr, alles was ihr/uns mal Spaß gemacht hat ging einfach nicht mehr. Schlafen und Essen, und wenn ihr danach war bellen und ein wenig kraulen lassen, das war es was ihren Tag ausgemacht hat. Ziemlich wenig wenn man bedenkt wie aktiv sie/wir mal waren. Ja natürlich ist das auch ein Stück weit normal wenn man "steinalt" ist, aber man fragt sich immer öfter bis wann es noch lebenswert ist? Am Schlimmsten für mich und bestimmt auch für sie war die Panik und die Hilflosigkeit wenn sie umgefallen ist... Das ist nicht einfach mit anzusehen und auszuhalten, und das zermürbt Stück für Stück. Wenn ich sie jetzt angefasst habe, dann hat sie sich ganz oft festgemacht und wann hatte sie sich eigentlich das letzte Mal so wirklich über mich/uns oder irgendwas anderes gefreut? Ich kann mich tatsächlich nicht dran erinnern :-( . Und nun hat sie immer öfter nicht mehr gefressen. Wir haben immer gesagt, wenn Raya einmal nicht mehr frisst, dann haben wir verloren und so war es nun auch.
 Soooo traurig!!

Die Entscheidung sie gehen zu lassen ist mir unendlich schwer gefallen. Ich weiß sicher, dass es richtig war, aber es fühlt sich auch ein Stück weit an wie „Versagen“ oder „Aufgeben“. Beides passt nicht, ich finde kein passendes Wort. Wir beide haben einen „Kampf“ verloren. Sie den physischen, ich den emotionalen. Ich würde lügen wenn ich etwas anderes sagen würde… Es war für mich wirklich oft schwierig mit ihr. Trotzdem habe ich sie natürlich sehr sehr geliebt, und ich habe versucht ihr Leben für sie so schön wie möglich zu gestalten. Mehr geht immer und manchmal hat mir auch die Kraft und der Nerv gefehlt. Vielleicht war es auch gar nicht gut unser gesamtes Leben auf sie auszurichten und alles um sie „drumrum“ zu gestalten. Es war mir aber wichtig, weil sie eben viel Unschönes mitgemacht hat und weil ich verantwortlich dafür war, dass ihr Leben so schön wie möglich ist. Sie war so unglaublich impulsiv und hoch energetisch. In einer Millisekunde von null auf 30000 Volt war gar kein Problem, und was sie nicht wollte, das wollte sie eben nicht. Da hatten wir tatsächlich was gemeinsam. Auf der anderen Seite war sie so unglaublich brav und tapfer, aber auch stolz und so sehr verletzlich und zierlich und flauschig und weich und das alles zugleich und sie war sooooo eine süße Omili…

Was mich ein wenig „beruhigt“ ist der Gedanke, dass sie nun endlich wieder mit ihren Freunden vereint ist. Wenn ich schreibe, dass für sie nun alles gut ist, dann glaube ich das tatsächlich. Ich selber werde noch ein Weilchen damit zu tun haben die Zeit mit ihr aufzuarbeiten. Ihr Vermächtnis an mich ist die Gewissheit, dass es so einiges gibt zwischen Himmel und Erde was nur schwer greifbar und zu erklären ist, und dass man sich manchmal eben auch damit arrangieren muss, dass es völlig anders ist als erwartet oder geplant, oder als man es sich für seinen Hund und natürlich auch für sich selber wünscht.

Unsere gemeinsame Zeit war so unglaublich besonders... Ich habe nun an diesem letzten Kapitel viele viele Tage geschrieben. Es ist fast nicht möglich in Worte zu fassen, was wir physisch und emotional gemeinsam erlebt und bewältigt haben. Ich könnte ein ganzes Buch über unsere Zeit schreiben, und es würde meiner/unserer Zeit mit ihr und auch Raya selber vermutlich immer noch nicht entfernt gerecht werden. Ich schließe somit Rayas Geschichte mit dem Mut zur Lücke, weil ich ganz vieles was da zwischen uns war und manchmal eben auch nicht war, nicht wirklich in Worte fassen kann, so dass es Außenstehende tatsächlich nachvollziehen könnten. 

Meine liebe süße Raya, 13,5 Jahre haben wir unser Leben geteilt. Was für eine lange Zeit... Wir haben sooooo vieles zusammen erlebt... Wir sind zusammen umgezogen auf unseren tollen Hof, haben "unseren" Wald zusammen erkundet, haben mega Trails zusammen geschafft, haben viele tolle Hunde kommen und gehen sehen, haben unendlich viele Seminare zusammen besucht, haben eine Deutschlandtour zusammen gemacht, wir hatten immer super viel Spaß wenn wir was zusammen "arbeiten" konnten oder über Stock und Stein gewandert sind. Du warst zum Schluß so zart und weich und sooo verletzlich... 

Du warst sehr sehr besonders und die Zeit mit dir war ebenfalls sehr sehr besonders.

Du wirst immer in meinem Herzen bleiben und meine Gedanken sind bei dir.
Hab eine gute Zeit auf der Sternchenwiese... Bis bald...  

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