Zu Antalya bin ich zwar geplant, aber doch ein wenig überraschend gekommen.
Wie das manchmal so ist im Leben...
Wie fast alle Mädchen, fand auch ich Pferde schon immer toll. So habe ich als Kind ein paar wenige Reitstunden bekommen. Es ist sooo lange her, dass ich mich nicht mehr erinnere wie alt ich damals war, aber die Faszination für Pferde hält fast immer ein Leben lang, und so war es immer ein Traum von mir, ein eigenes Pferd zu haben.
Mit 35 Jahren hat sich in meinem Leben durch diverse Tiefschläge einiges verändert, und ich habe dies zum Anlass genommen, etwas nur für mich alleine zu tun. Etwas, was ich schon sehr viele Jahre tun wollte. Ich habe mich in einer Reitschule angemeldet, um Unterricht zu nehmen. Leider hat sich dies als Nullnummer herausgestellt. Die Gruppe war ganz toll, alles super nette Leute in meinem Alter, aber ich wollte wirklich reiten lernen und mich nicht einmal die Woche durch eine staubige Reithalle schaukeln lassen.
Somit haben wir recht schnell beschlossen, dass wir uns nach einem passenden Pferd umsehen. Nicht ständig und jeden Tag, aber ich habe alle Anzeigen aufmerksam gelesen und habe die Ohren offen gehalten. Da ich ja praktisch gar nichts konnte, außer einigermaßen oben bleiben, sollte es ein absolut ruhiges, gut ausgebildetes, bezahlbares Pferd sein. Auch nach einigen Jahren bin ich der Meinung, kann der Reiter nix, sollte das Pferd gut ausgebildet sein, kann das Pferd nix, braucht es dringend einen guten Reiter. Alle anderen Konstellationen führen früher oder später zu viel Ärger oder großen Geldausgaben.
Den ersten Proberitt habe ich auf einer Mecklenburger Stute hinter mich gebracht. Sie ist mir als sehr zuverlässig, absolut anfängergeeignet und brav beschrieben worden. Theoretisch genau passend. Praktisch kam es anders… Ich bin also zu ihr gefahren, um sie anzusehen. Dies fand während einer Springstunde von ihr statt. So konnte ich sie auch gleich in Aktion sehen. Ihr damaliger Besitzer hat sie ein paar mal über einen Sprung gelassen, ist ansonsten aber nur sehr unspektakulär mit ihr unterwegs gewesen. Man konnte der Stute förmlich ansehen, dass ihr das nicht wirklich gefallen hat
. Sie hatte scheinbar großen Spaß am Springen. Tja und dann hab ich mich in den Sattel geschwungen und habe sofort ein schlechtes Gefühl gehabt, und das hat sich dann auch prompt auf das Pferdchen übertragen und schon ging die Post ab. Ich wusste gar nicht so schnell wie mir geschieht. Ich glaube so schnell bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht unterwegs gewesen. Ich hatte wirklich großes Glück, das Montana einfach nur gerannt ist. Hätte sie den kleinsten Hüpfer zur Seite gemacht, oder womöglich eine Vollbremsung, oder noch viel schlimmer, einen Sprung angesteuert, ich wäre in hohem Bogen davon geflogen. So hab ich mich festgeklammert und abgewartet. Das war zwar nicht förderlich um das Pferd zur Ruhe zu bringen, aber es war förderlich, das ich oben sitzen bleiben konnte - eigentlich kann ich immer noch nicht recht glauben, dass ich das wirklich geschafft habe
. Irgendwann hat sie dann wohl Mitleid mit mir gehabt und ist nach der xten Runde langsam ausgelaufen und hat brav dort angehalten, wo ich - gefühlte Stunden zuvor - aufgestiegen bin. Keine Ahnung wie viele Runden sie mit mir gerannt ist, aber wir waren danach beide fix und alle. Und wir waren danach beide ganz sicher, dass wir definitiv nicht zusammen gehören. So etwas muss man wohl auch mal mitgemacht haben.
Danach hab ich erst einmal eine Weile Ruhe gegeben, da mir doch Zweifel kamen, ob ich das hinbekomme mit dem eigenen Pferd. Immerhin war mir bei dem Montana-Ritt klar geworden, dass ich definitiv nix gelernt hatte in einem ganzen Jahr in der Reitschule. Gerade deswegen hatte ich aber auch definitiv keine Lust mehr dort weiter Reitunterricht zu nehmen. Ich bin dann sporadisch weiter hingegangen, bis ich eines Donnerstags wirklich genug hatte. Und genau den Samstag darauf wurde Antalya bei uns in der Dorfzeitung angeboten. Der Text dazu:
Sehr gut gerittene Hannoveraner Stute, 11 Jahre, 1,57 m, absolut artig und ruhig an Freizeit- oder Westernreiter. Platz vor Preis. Schon bei der Anzeige wurde mir ganz warm ums Herz . Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Ich wollte nicht so ein großes Pferd und gut geritten = fertig ausgebildet, und Western fand ich sehr interessant.
Bis dahin war ich nur klassisch geritten. Aufgrund der Anzeige war mir auch noch nicht klar, ob nur Western in frage kommt, oder ob sie beide Ausbildungen hat, oder ob der zukünftige Besitzer sie hätte umstellen sollen. Auf jeden Fall kam dann eine sehr spannende Zeit auf mich zu. Ich habe mir Antalya mit einer Freundin zusammen angesehen, die selber schon viele Jahre geritten ist und auch ein eigenes Pferd hat. Antalya war wirklich super brav und hatte einen ganz feinen Draht zu ihrer Besitzerin, die sie nur abgegeben hat, weil sie ein Studium in Marburg angefangen hatte. Wir sind alle 3 ein paar Runden geritten und es ist nichts Außergewöhnliches passiert, obwohl ich mit dem Schlimmsten gerechnet habe
. Ich wusste dann auch sofort, dass ich sie unbedingt haben möchte. Allerdings gab es noch eine Anwärterin. Warum ich damals den Zuschlag bekommen habe, weiß ich gar nicht mehr, auf jeden Fall habe ich sie am 20.03.2003 gekauft.
Alles ging super schnell. Morgens haben wir die Ankaufsuntersuchung machen lassen, mittags habe ich schon die wichtigsten Ergebnisse bekommen und nachmittags habe ich den Kaufvertrag unterschrieben. Bei der Ankaufuntersuchung habe ich dann gleich eine kleine Vorschau darauf bekommen, wie brav Antalya sein kann. Dass sie auch anders kann, habe ich dann bei anderen Gelegenheiten erfahren. Am 22.03.03 haben wir sie schon abgeholt und in ihr neues Zuhause verpflanzt. Obwohl ihre frühere Besitzerin die erste Zeit noch sehr oft da war, mir sogar unterricht gegeben hat, und somit der Übergang eigentlich nicht so extrem für Antalya war, wollte sie mehr als ein Jahr nicht wirklich etwas mit mir zu tun haben. Sie war zwar nach wie vor artig, aber ich habe schon deutlich gespürt, dass sie mich nicht so recht akzeptiert hat. Sie hat sich auch in ihrem Stall und auf der Weide mit den Weidekumpanen nicht wirklich wohl gefühlt. Kurz sie hat lange getrauert. Es war schwer für mich, sie aufzumuntern und für mich zu gewinnen. Dabei war sie super klasse untergebracht, dachte ich damals jedenfalls. Sie hatte einen schönen großen Stall, war den ganzen Tag auf einer riesigen Weide, hat vernünftiges Futter bekommen und eine Reithalle, super Ausreitgelände und einen Außenreitplatz gab es auch. In meinen Augen, alles was Ross und Reiter so brauchen. Antalya hat das offensichtlich bissi anders gesehen.
Ich habe mich dann auch mit anderen Reitern vom Stall mitreißen lassen und bin sogar mit ihr ausgeritten. Das kannte ich ja noch gar nicht, und mir war oft mulmig, aber ich habe mir nix anmerken lassen - zumindest habe ich mir das eingeredet. Antalya hat es ganz sicher immer sofort gemerkt, aber sie ist ein absoluter Schatz und hat mich immer brav nach Hause geschaukelt.
Am Anfang hatten wir große Probleme mit ihren Hufen. Die waren viel zu lang und sahen auch allgemein gar nicht gut aus. Leider hatte ich keine Ahnung und der Schmied, der sie bearbeitet hat auch nicht. Das habe ich aber durch meine eigene Ahnungslosigkeit leider viel zu spät gemerkt. Somit war sie dann gleich am Anfang öfter mal kurzzeitig lahm. Es ist wohl wie mit jedem anderen Handwerker auch, zumindest theoretisch muss man selber all das können, was sie tun sollen, dann klappt es auch. Wenn man sich auf die Ausbildung der Leute verlässt, ist man verlassen. Als ich dann festgestellt habe, dass ihre Hufe sicher nicht so aussehen wie sie sollen, habe ich erst mal ein kleines Hufabitur absolviert. Ich habe alles zusammengerafft was ich über Hufe und Hufbearbeitung finden konnte. Mittlerweile macht mir da keiner mehr etwas vor. Zum Glück habe ich jetzt einen Hufpfleger, der absolut gute Arbeit macht und wirklich ein Händchen für Pferde hat.
Als wir uns dann einigermaßen aneinander gewöhnt hatten, haben wir uns mit mehreren Leuten auf dem Hof einen Reitlehrer gesucht. Der erste war nicht so der Brüller. Seine Art zu Reiten, war nicht unsere. Er war lieb und nett, aber der Funke sprang nicht über, und wir sind wieder auf die Suche gegangen. Zum Glück hatten wir recht schnell den perfekten Mann an Bord. Bei ihm habe ich 3 Jahre ganz regelmäßig Unterricht genommen und siehe da, wir waren zum Schluss - glaube ich - schon ganz schön gut. Alleine wäre ich niemals so weit gekommen, entsprechend bin ich Torsten sehr dankbar für den guten Unterricht, den er mir gegeben hat.
Das Training war natürlich mit riesigen Berg- und Talfahrten verbunden. Eine Woche dachte ich, endlich funktioniert es, und die nächste Woche ging dann gar nix mehr. Wenn ich mir Videoaufnahmen von damals ansehe, fällt mir auf, dass das arme Ding am Anfang mehr rückwärts als vorwärts gehen musste, DEN Knopf hatte ich nämlich sofort gefunden, das hat super gut geklappt. Da jeder sich freut wenn es klappt, wird es wiederholt und noch mal und noch mal... Die Knöpfe für vorwärts sind dann aber zum Glück nicht all zu lange im Verborgenen geblieben. Aber was mir von Anfang an klar war, Westernreiten ist genau mein Ding und macht mir super viel Spaß. Alles ist ein wenig lockerer und der Umgang mit dem Pferd wesentlich entspannter. Entsprechend entspannt sind auch die Pferde. Natürlich könnte man das auch mit klassisch ausgebildeten Pferden hinbekommen, nur leider wird von den meisten Leuten gar kein Wert darauf gelegt, oder eben nicht die Zeit in diese ruhige konsequente, oft Nerven raubende Ausbildung am Boden investiert. Natürlich bestätigen Ausnahmen immer den Regelfall. Ich will ja Niemandem auf den Schlips treten! Aber ich habe in den letzten Jahren sehr viele Pferde beider Ausbildungsweisen erlebt, und ich finde, dass die western ausgebildeten Pferde um ein Vielfaches angenehmer sind im Umgang. Antalya ist ganz besonders artig. Sie kann stundenlang auf einem Fleck stehen und warten, außer wenn ihr einfällt, dass sie ja eigentlich ein halbes Vollblut ist. Dann kann sie auch mal ganz anders, aber das sind wirklich große Ausnahmen. Die paar Ausrutscher, wo ich dachte, ich habe ein Rennbrötchen unter mir - Antalya ist eben auch nur ein Pferd - kann ich an einer Hand abzählen. Die meiste Zeit habe ich super viel von ihr gelernt. Sie war ein sehr geduldiger Lehrer, und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Wir haben sehr viel zusammen erlebt in den Jahren, und sie hat sich mir immer mehr geöffnet. Das war sehr schön mit zu erleben, wie sie sich mir gegenüber verändert hat.
Immer wenn Jemand interessantes in der Nähe war, der bei uns einen Kurs machen wollte, haben wir ihn eingeladen, und so habe ich viele tolle Leute kennen gelernt. Ich habe viel über Pferde und über mich gelernt, und mit der Zeit sind Antalya und ich ein richtig gutes Team geworden.
Wirklich krank war sie eigentlich die ersten Jahre nicht. Mal einen Einschuss, mal einen Fieberschub, am Anfang die schlechten Hufe, nichts Besonderes. Ich denke das ist ganz normal wenn man ein Pferd hat. Andere haben Mauke, Koliken oder Allergien, da hat sie zum Glück nix mit an Hut. Mittlerweile hatte sie sich in Syke auch wohl und zu Hause gefühlt (dachte ich wenigstens), und es hatte sich eine feine Verbindung zwischen uns ergeben. Da ihr Stall 35 km einfache Tour von unserem zu Hause weg war, hatte ich feste "Stalltage". Ich bin grundsätzlich DI/DO/SA/SO zum Stall gefahren, und ich hatte den Eindruck, dass sie das auch in ihrem Kalender abgespeichert hatte. Konnte ich einmal nicht fahren, war sie irgendwie anders als sonst wenn wir uns wieder gesehen haben.
Im September 2006 kam es dann zum Supergau. Was genau passiert ist wissen wir nicht, wahrscheinlich hatte sie einen kleinen Weideunfall. Auf jeden Fall ist sie morgens einwandfrei rausgegangen und abends ist sie lahm von der Weide in den Stall reingekommen. Sie war mehr als ein Jahr lahm. Die Diagnose war heftig. Ihre tiefe Beugesehne war am Schleimbeutel der Hufrolle verletzt, und der Schleimbeutel selber war stark entzündet. Den Schleimbeutel konnten wir in 2 Behandlungen austherapieren, bei der tiefen Beugesehne konnten wir nichts weiter machen als abwarten. Von einer Stosswellentherapie hat mir der Experte abgeraten, weil er sich keinen Erfolg davon versprochen hat. Wir haben sie in kleinen Dosen mit Schmerzmitteln versorgt. So viel, dass wir es verantworten konnten sie nach Draußen zu lassen, und so wenig, dass sie sich nicht zu viel bewegt hat. Ich habe mit homöopathischen Medikamenten unterstützt so gut es ging und habe viel mit Magneten gearbeitet. Wir haben sie 6 Wochen lang mit einem Keil zwischen Huf und Beschlag hochgestellt, um eine Entlastung der Sehne zu erreichen, aber den Folgebeschlag hat sie sich demonstrativ abgetreten. Sie wollte ihn sich schon nicht draufnageln lassen. Sie ist, wenn sie einmal etwas nicht möchte, schon sehr sehr deutlich, wir haben es aber trotzdem mit viel Mühe durchgesetzt, mit dem Ergebnis, dass der Beschlag am nächsten Tag sauber abgetreten auf der Weide lag. Sie hatte sich eindeutig dagegen entschieden, also haben wir das respektiert. Ich habe alles über Sehnenverletzungen gelesen was ich finden konnte. Die einzige Möglichkeit, außer Abwarten, wäre ein Nervenschnitt gewesen, und das kam für mich nicht in Frage. Zum einen hält so etwas immer nur ein paar Jahre - wenn es überhaupt funktioniert - und zum anderen finde ich so einen Eingriff nicht vertretbar.
Entsprechend mussten wir einfach abwarten wie es sich entwickelt. Die ersten 8 Wochen waren ganz schlimm, da sie deutlich gelahmt hat, und ich mir wirklich nicht sicher war, ob sie so auf der Weide gehen kann. Ich hatte schon ein arg schlechtes Gewissen. Aber alleine im Stall stehen lassen war auch absolut keine Alternative, weil sie dann in ihrer Box so unruhig hin- und hergelaufen ist, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen wäre. Und sedieren habe ich absolut abgelehnt. Also haben wir es ausgesessen. Mit all den Pülverchen und Mittelchen und Physiotherapie und wer weiß was hat sie sich innerhalb eines halben Jahres soweit erholt, das sie lahmfrei im Schritt auf der Weide gehen konnte. Sobald sie in der Herde getrabt ist, war noch eine deutliche Lahmheit zu sehen, aber wenigstens im Schritt war sie o.k. Somit stand für mich fest, dass ich ihr einfach die Zeit geben werde, die sie braucht, um es auszuheilen. Und wenn sie nie wieder reitbar sein sollte, dann wäre es auch noch so gewesen. Ich hätte sie deswegen niemals weggeben können.
Nachdem sie ein Jahr lang nur in der Herde gestanden hat, habe ich mich dazu durchgerungen für sie eine Unterkunft in meiner Nähe zu suchen. Die ewige Fahrerei ging mir mächtig auf den Geist und bei den gestiegenen Benzinpreisen stand es absolut nicht mehr im Verhältnis diesen weiten Weg auf mich zu nehmen, von dem enormen Zeitaufwand ganz abgesehen. Zumal ich ja weder eine Halle noch einen Reitplatz brauchte. Bei uns kostet eine Unterkunft mit Halle erheblich mehr als in Syke und meine Freundin hat ihr Pferd auch dort stehen gehabt. Das waren die Argumente FÜR so einen weiten Weg, aber beide Argumente zogen nicht mehr mit einem lahmen Pferd. Trotzdem habe ich diesen Schritt lange rausgezögert. Ich wusste genau was ich habe, was ich wieder bekomme wusste ich nicht. Und ich hatte arge Bedenken, weil ich ja gesehen hatte wie doof Antalya damals den Umzug fand. Das wollte ich ihr nun eigentlich nicht auch noch zumuten.
Als sich dann in Syke ein sehr junges Pferd angekündigt hat, was in Antalyas Herde sollte, habe ich von jetzt auf gleich die Reißleine gezogen. Ein neues Pferd in der Herde ist sowieso immer ein Anlass viel zu Rennen und dann noch so ein junges dazu... Ich wusste das ist Gift für sie, vor allem wo sie gerade einigermaßen gut laufen konnte. Also habe ich kurzerhand eine Box auf einem Hof gemietet, den ich schon länger im Visier hatte. Dort war der Boxenpreis ein wenig höher, und es gab weder eine Halle noch einen vernünftigen Reitplatz, aber das brauchte ich ja auch alles nicht. Dafür bin ich in 5 Minuten mit dem Fahrrad dort, habe also viel Zeit gewonnen und eine Menge Sprit gespart. Das Ganze ging so schnell, das ich gar nicht groß drüber nachdenken konnte. Ich habe sonntags die Box angeguckt, montags zugesagt, dienstags den Anhänger geordert, mittwochs den Sattelschrank geholt und freitags Antalya umgetopft. Alles lief wie am Schnürchen. Meine Bedenken wegen der Hängerfahrt bestätigten sich zum Glück nicht. Sie ist genau so lahmfrei ausgestiegen, wie sie in Syke reingeklettert war.
Ich hatte nun mit allem gerechnet, aber nicht mit dem was kommen sollte. Mein Verhältnis zu ihr ist so gut wie es noch nie war. Sie hat sich sofort in ihrer neuen Box wohl gefühlt, was ich sehr erstaunlich fand. Alle glauben immer - dazu habe ich mich auch gezählt, dass Pferde möglichst viel Kontakt zu ihren Kumpanen haben wollen und entsprechend hatten wir in Syke Boxen, die ab 1,30 m nach Oben offen waren. So konnten die Pferde über die Boxenwand Kontakt haben. Bei Antalya hat es leider wohl dazu geführt, dass sie sich genötigt gesehen hat, extrem schnell alles wegzufressen. Wir dachten immer, dass sie besonders verfressen ist - würde ja auch zu ihrem kleinen dicken Kugelbauch passen - in Wirklichkeit hat sie so schnell gefressen, weil sie Angst hatte, dass ihr Stallnachbar ihre Ration mitfressen könnte. Auf die Idee sind wir gar nicht gekommen. In Oyten steht sie in einer Standardbox, die bis unter die Decke geschlossen ist. Das war mir auch egal, da sie auf dem Paddock Kontakt zum Nachbarn haben kann. Jetzt frisst sie in etlichen Stunden die Menge Heu, die sie vorher in Minuten vertilgt hatte. Ein Pluspunkt, der unerwarteter Weise auf die Liste "pro Umzug" gerückt ist. Auch in der Herde ist sie sofort aufgenommen worden.
Sie ist zwar weiterhin im Trab leicht lahm gelaufen, aber im Schritt ist sie lahmfrei geblieben. Dadurch, dass ihre jetzige Box einen gepflasterten Paddock davor hat, sehen ihre Hufe unglaublich gut aus. Alles ist so gut, wie es nur sein kann und kommt noch besser. Sie war 8 Wochen hier in Oyten, da konnte sie wieder lahmfrei traben. Nach einem weiteren viertel Jahr lahmfrei galoppieren. Es ist wie ein kleines Wunder, aber sie läuft wieder als wäre nie etwas gewesen. Vorsichtig wie ich bin, habe ich sie trotzdem noch in Ruhe gelassen. Erst nachdem ein weiteres 1/4 Jahr vergangen war, habe ich im April 2008 ganz langsam angefangen sie zu bewegen. Ich habe mit 5 Minuten Schritt angefangen und habe es immer weiter ausgebaut. Ganz ganz langsam... Nachdem sie 1 1/2 Jahre gestanden hat, hatte ich es auch nicht sonderlich eilig, und ich wollte sie auf gar keinen Fall überfordern. Nach einem guten halben Jahr konnte ich sie locker eine Stunde bewegen in allen 3 Gangarten. Alles lief wie am Schnürchen. Leider wurde dann das Wetter so schlecht, dass ich ohne Halle (bin halt ein Weichei) nicht mehr weitermachen wollte.
Ganz toll ist, dass der Hofbetreiber - ausgerechnet jetzt (Herbst 2008) - einen tollen Reitplatz und eine Reithalle bauen will. Das passt mir natürlich richtig gut in den Kram. Dann sind wir wieder wetterunabhängig, und ich kann mit ihr noch regelmäßiger arbeiten.
Es ist also alles gut so wie es ist, wie fast immer in unserem Leben!!
Ich bin sehr glücklich, das ich die Ruhe hatte, diese Zeit einfach abzuwarten, und ich glaube, Antalya ist auch froh darüber, jedenfalls macht es den Eindruck. Seit ihrem Umzug kommt sie aus der entlegensten Ecke der Weide, wenn ich sie rufe. Eigentlich sagt man ja, das sich die Pferde dann in der Herde nicht besonders wohl fühlen, aber wenn man sie in ihrer Herde beobachtet, weiß man, das sie sich dort ganz sicher sau wohl fühlt. Es wird einfach daran liegen, dass zwischen uns mittlerweile alles passt.
Natürlich war ihre Verletzung schlimm, aber unser Verhältnis hat sich noch einmal sehr verändert und auf jeden fall verbessert. Ich könnte mir kein anderes Pferd für mich vorstellen, auch wenn sie von unseren ersten 5 1/2 Jahren nur 3 reitbar war. Sie passt einfach perfekt zu mir.
Wie so oft im Leben kommt es manchmal anders als man denkt. Im Winter 2008 sollte die Halle gebaut werden und im Frühjahr 2009 wollte ich wieder mit ihr durchstarten. Leider konnte man aber schon im Frühjahr 2009 absehen, dass der Hallenbau sich ewig hinziehen würde, da es Probleme mit der Baugenehmigung gab. Da ich keine Lust hatte sie, wie im Jahr zuvor, anzutrainieren und wenn sie endlich voll belastbar ist wegzustellen, weil ich bei schlechtem Wetter keine Möglichkeit habe sie zu bewegen, habe ich ihr noch einen Sommer auf der Weide gegönnt.
Außerdem ist mir leider klar geworden, dass ich mir etwas vor mache. Und ich brauchte diese Zeit um mir zu überlegen wie es weitergehen soll. Für Antalya wäre es am allerbesten, man würde mit ihr fast ausschließlich ins Gelände gehen. Eine Halle braucht sie gar nicht, denn sie sollte möglichst viel gerade aus laufen (enge Kreise, Sprints und Stops etc. sind Gift für ihre Sehnen), und sie braucht festen, federnden Boden. Die meisten Reithallen sind also zu klein und haben nicht den richtigen Untergrund für sie. Ich war leider nie eine wirklich mutige Reiterin, und ich habe mich im Gelände nie wirklich wohl gefühlt. Dabei ist Antalya IMMER artig und brav. Ich kann mir noch tausend mal vorbeten, dass ich keinen Grund habe mit ihr auf dieses Erlebnis zu verzichten, ABER ich bin halt ein Kopfmensch, und ich habe erst mit 35 Jahren angefangen zu reiten. DAS ist nicht sehr förderlich, um alleine und entspannt durchs Gelände zu hoppeln. Dazu kommt noch, dass ich jetzt 3 Jahre nicht im Sattel gesessen habe... Ich kann es mir noch so oft vornehmen... wenn ich ehrlich zu mir selber bin ist ganz klar, ich werde niemals wieder auf ihr oder einem andern Pferd im Gelände reiten.
Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich jetzt soooo lange nicht geritten bin, dass ich es mir auch für die Zukunft gar nicht mehr wirklich vorstellen kann. 3 Jahre sind lang... Alles im Leben hat seine Zeit und meine Zeit fürs Reiten ist wohl vorbei. Ich fürchte, ich kann Antalya nicht mehr gerecht werden.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Antalya bleibt bei mir. Sie bleibt in "Rente" (mit 18 Jahren arg früh) auf der Weide für den Rest ihres Lebens. ODER ich suche für sie eine Familie, wo sie noch bissi mehr erleben kann als Gras fressen. Wenn ich sie von der Weide hole, putze und dann wieder in die Herde zurück bringe, habe ich oft den Eindruck sie ist enttäuscht, dass ich nix weiter mit ihr mache. Sie ist eigentlich noch viel zu jung, um sich auf der Weide die Beine in den Bauch zu stehen. Es gibt viele Menschen die sagen, dass Pferde die Arbeit nicht brauchen, und dass der Kontakt zu ihren Artgenossen absolut ausreicht, aber ich bin mir da nicht wirklich sicher. Ich hab oft das Gefühl, sie wäre glücklicher, wenn sie mehr gefordert werden würde. Da sie auch super anhänglich ist, wäre eine Unterbringung bei Jemandem, der seine Pferde direkt am Haus/Hof stehen hat ideal. Dort hätte sie natürlich viel mehr Ansprache als jetzt, wo ich 1-2 mal die Woche nach ihr gucke.
Die Entscheidung was das Richtige für sie ist fällt mir sehr sehr schwer. Ich denke schon monatelang darüber nach, was das Beste für Antalya ist. Nur darum geht es mir. Ich will sie nicht weggeben, weil ich sie los werden will. Als ich sie damals gekauft habe, war mir sehr wohl bewußt, dass ich eine viele Jahre dauernde Beziehung zu ihr eingehe, und ich bin bestimmt nicht der Typ, der sich leichtfertig von einem seiner Schützlinge trennt. Ich liebe sie sehr. Sie ist ein ganz wunderbares Pferd mit einem ehrlichen, lieben Charakter, und ich würde sie nur aus diesem einen einzigen, sehr schmerzlichen Grund weggeben, weil ich denke, sie könnte es bei anderen Menschen evtl. besser haben als bei mir
.
ABER diesen Menschen muss ich auch erst einmal finden.
Ich habe mir jetzt überlegt, dass ich einmal einen Versuch wage, ob es vielleicht so einen Menschen gibt. Wenn ja, dann werde ich sie schweren Herzens ziehen lassen, wenn nein, dann soll es so sein, und sie bleibt bei mir und kommt dann hoffentlich mit dem Wenigen, was ich ihr zu bieten habe zurecht und ist trotzdem ein glückliches Pferdchen.
Ich versuche einmal zusammen zu fassen:
Antalya ist kein Gewichtsträger. Ich denke 80 kg ist ihre Grenze. Toll wäre, wenn sie am eigenen Haus/Hof leben könnte, und es dürfen nur Leute ohne reiterlichen Ehrgeiz sein. Antalya muss sehr schonend antrainiert werden und sollte dann weiter regelmäßig ruhig im Gelände geritten werden. Außerdem braucht sie unbedingt eine Freundin oder einen Freund an ihrer Seite. Pferdealleinhaltung lehne ich absolut ab. Antalya wird dieses Jahr erst 18 Jahre alt. Sie könnte noch locker 10 Jahre gemütlich über Felder traben. Ich würde ihr sehr wünschen, dass wir einen Menschen finden, der ihr dies ermöglicht. Sie ist 1,57 m groß bzw. klein. Sie ist ehrlich und lieb im Umgang, sie ist ein Typ für die leisen Töne, sie ist sehr gut Western ausgebildet, kann aber zur Not auch klassisch geritten werden, und sie hat keine Unarten an sich. Ihre Verletzung ist absolut ausgeheilt und auch sonst ist sie gesund. Sie ist leichtfuttrig und schmusig und hat wunderschöne, große Augen. Sie ist ein absolutes Verlasspferd und versucht immer alles richtig zu machen.
Bei ihr gilt ganz besonders der Spruch "Platz vor Preis". Ihr müsstet auf jeden Fall damit einverstanden sein, dass ich mich persönlich von ihrer Unterbringung überzeugen werde.
Solltet ihr ein Pferdehändler sein, dann könnt ihr euch das Email sparen, niemals würde ich sie an einen Händler abgeben!!!
Nachdem ich über meine Homepage keine Anfragen für Antalya erhalten habe, habe ich eine Anzeige geschaltet. Auf die erste gab es nur eine Anfrage von einem Herren, der sie als Rasenmäher ohne Pferdekumpel auf eine kleine Wiese stellen wollte. Niemals hätte ich so etwas zugelassen.
Dann hab ich eine Weile gewartet und noch einen Versuch gewagt. Dieses Mal habe ich unglaublich viele Interessenten für sie gehabt.
Einige, die im ersten Satz nach dem Preis gefragt haben, oder die meine Fragen nicht beantworten wollten, was für mich ein absolutes NO GO war, aber auch viele, die sich wirklich sehr vielversprechend angehört haben. Es waren sogar 2 dabei, die sie mit Pferdegesellschaft direkt am Haus hätten unterbringen können…
… ABER am besten hat mir eine Frau gefallen, die von vorn herein gesagt hat, dass sie Antalya gerne, zumindest für die erste Zeit, dort stehen lassen möchte, wo sie jetzt ist. DASS ist natürlich auch eine sehr verlockende Option gewesen. Dort hat sie ihre Freundin Clematis, und ich weiß genau, dass sie sich in ihrem jetzigen Stall super wohl fühlt. Sie hätte also am Anfang „nur“ den Besitzerwechsel zu verkraften und nicht auch noch zeitgleich einen Ortswechsel. Dazu kommt, dass es jemand aus der Westernreiterei ist, und sie hat einen sehr ruhigen und sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Kurz ALLES HAT GEPASST !!
Wir haben also für Donnerstag ein Kennenlerndate ausgemacht. Während dieser Zeit, die wir zusammen bei Antalya waren war ich mir schon fast ganz sicher, dass es genau die richtige Mutti für meine Antalya ist. Wir sind eine Weile spazieren gegangen und Antalya war super entspannt. Wenn sie jemanden nicht mag, dann verhält sie sich definitiv ganz anders. Wir waren uns sofort in allem einig, und der Stall etc. hat auch gefallen. Es war also eigentlich alles perfekt. Da ich aber für Freitag noch ein Date ausgemacht hatte, sind wir so verblieben, dass ich mich mit dieser Frau noch treffe und mich dann entscheide.
Wider erwarten, war ich Donnerstagabend weder traurig noch aufgeregt. Ich habe ganz wunderbar geschlafen und bin am Freitag mit dem ganz sicheren Gefühl aufgestanden, dass Annette genau die richtige ist für Antalya. Sie ist ein sehr entspannter Mensch, der schon viel Erfahrung mit Pferden gemacht hat. Sie hatte schon mehrere eigene Pferde, unter anderem eines mit einer Sehnenverletzung, kennt sich also mit der Thematik aus, und wir haben beide ziemlich die gleiche Einstellung zur Pferdehaltung, dem Umgang mit dem Pferd etc.
Ich glaube, auch wenn sie nun nicht bei einer Familie am Haus steht…
Antalya hätte keine bessere "Mutti" bekommen können.
Natürlich bin ich jetzt unendlich traurig. Antalya ist mein absoluter Lebenstraum gewesen, und ich liebe sie sehr... Ich habe mit ihr 7 ganz wundervolle Jahre verbracht, und es fällt mir sehr sehr schwer sie gehen zu lassen…
… ABER ich bin mir nach wie vor ganz sicher, dass es für Antalya die richtige Entscheidung ist. Wir sind es unseren Tieren schuldig, dass wir IMMER die für SIE besten Entscheidungen treffen, auch wenn sie für UNS selber sehr sehr schmerzlich und unbequem sind.
Eine Freundin hat zu mir gesagt, dass Lieben auch Loslassen heißt. Ich glaube, da hat sie völlig recht.
Somit lasse ich Antalya nun los, hoffe, dass es die richtige Entscheidung war und wünsche mir ganz doll, dass sie mit IHRER Annette super glücklich wird.
Ich wünsche euch beiden alles Glück dieser Welt
und hoffe, dass ihr ganz viele schöne Jahre zusammen verbringt.
Ende 2019 habe ich von ihrer Annette die traurige Nachricht bekommen, dass Antalya auf die Sternchenwiese geloppiert ist. Der Brief war so voller Liebe für dieses Pferd. Auch wenn ich sie wirklich sehr vermisst habe, es hat mir noch einmal bestätigt, dass es genau richtig war sie freizugeben, und dass Annette genau die richtige für sie war. Ich hoffe, die Erinnerung an diese wunderbare Stute tröstet sie über den großen Verlust hinweg.
Liebe Antalya ich wünsche dir eine gute Zeit auf der Sternchenwiese.