Dies ist die Geschichte von Kenya
dem liebsten, schönsten und klügsten Hund der Welt:

 Um Kenya – damals noch Kelly - mussten wir richtig kämpfen.
 Wie hat sich doch dieser Einsatz gelohnt…  !!!  

Als wir uns entschlossen hatten, dass Falko eine Freundin bekommen soll, haben wir angefangen die Zeitungen zu wälzen. Internet war damals noch nicht so sehr auf dem Vormarsch. Wir hatten es jedenfalls nicht. Wir waren davon ausgegangen, dass es sicher lange dauern würde, bis wir einen Wurf finden, der uns gefällt und wo die Abgabe zeitlich so passt, dass wir Urlaub nehmen können für die ersten Wochen. Es war kurz vor Jahresende und unser nächster Urlaub stand direkt bevor, als ein Wurf Berner in der Zeitung inseriert wurde. Wir sind mit keinen allzu großen Erwartungen zu dem Züchter gefahren. Eigentlich wollten wir uns die Zuchtstätte nur angucken, damit wir einen Vergleich haben. 

Überraschender Weise war das, was wir gesehen hatten ganz nett. Die erwachsenen Hunde sahen sehr gepflegt aus, die Elterntiere haben uns gut gefallen, beide waren HD und ED frei, die Leute waren auf den ersten Blick gut zu ihren Tieren, und die Hunde hatten ein super schönes Hundehaus. Der Wurf bestand aus 3 Hündinnen. Eine mit sehr viel Weiß im Gesicht - das mochten wir nicht so besonders gerne -, eine, für unseren Geschmack, sehr schön gezeichnete Hündin und eine, die gar keine Maske hatte, sie hatte kein einziges weißes Haar im Gesicht. 

Ich hocke mich also auf den Boden, das kleine Rudel läuft auf uns zu, Kenya – die Hündin mit dem schönsten Gesicht – springt mir auf den Arm und pieselt mich vor lauter Freude sofort an. Die kleine Maus hat sich so sehr über uns gefreut, das war soooo rührend. Ab dem Moment war ganz klar, DIE oder keine. 

Nun war vor uns schon eine Familie dort und hatte sich genau diese Hündin ausgesucht, allerdings wollten oder konnten sie eigentlich nicht den Kaufpreis aufbringen. Das war unser Glück und stärkstes Argument, denn die kleine Hündin ohne Maske war zuchtuntauglich geschrieben worden und wurde somit günstiger verkauft. Außerdem wollten wir die Hunde ausstellen und evtl. auch züchten. Nach einigen Telefonaten und Diskussionen zwischen dem Züchter, uns und der anderen Familie haben wir den Zuschlag für Kenya bekommen. Es waren dann ein paar schlimme Tage und Nächte bis zur Abholung, weil wir den Gedanken nicht ganz loslassen konnten, dass sie „unsere“ kleine Maus vielleicht doch der anderen Familie mitgegeben haben. 

Aber als wir am 18.12.1998 dort ankamen, wartete Kenya schon auf uns. Sie hat mich dann gleich zum zweiten Mal angepieselt. Dies hat sie auch noch viele viele weitere Male gemacht. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, vielleicht noch länger, bis sie selbst in größter Freude ihren Schließmuskel voll kontrollieren konnte. Uns war das völlig egal, wir waren froh, dass sie nun endlich bei uns war. 

Sie war immer ein sehr devoter Hund. Sie wollte unbedingt alles richtig machen, und das Meiste hat sie auch von Anfang an richtig gemacht. Man musste mit ihr immer ruhig und leise sprechen, sie war super sensibel. Mussten wir einmal schimpfen, ist für sie fast die Welt zusammen gebrochen. Das war eine große Umstellung für uns, denn Falko war so ganz anders. 

Das mit der Stubenreinheit hat ein Weilchen gedauert, und wenn sie alleine war, hat sie uns ein wenig Putz von den Wänden gefressen, mal eine Teppichfranse angeknabbert oder ein Tischbein probiert. Dinge, die wohl jeder Welpe einmal macht. Das Ausmaß war aber sehr überschaubar. Dies ist aber auch schon alles Negative was man erwähnen kann.   

Evtl. noch, dass es immer mal wieder Situationen gab, wo ihr Mut nicht ausreichte, um über den Dingen zu stehen, so wie wir es eigentlich von Bernern gewohnt waren. Sie war schon 11 Wochen alt, als wir sie abgeholt haben, und scheinbar ist sie in den ersten Wochen zu wenig Reizen ausgesetzt gewesen. Sie ist das Beispiel dafür, dass man in dieser Phase versäumtes, oft schwer aufholen kann. Aber dafür konnte sie nun wirklich nichts. Über die Jahre ist sie aber immer gelassener geworden, und Fremde haben meistens nicht gemerkt, wenn sie sich unwohl fühlte. Sie konnte irgendwann sehr souverän überspielen. 

Dafür ist sie vom ersten Tag an ohne Leine hinter uns her getapst. Ganz ganz dicht, so dass sie ständig aufgelaufen ist, wenn wir stehen geblieben sind. Wir konnten uns vom ersten Tag an immer zu 100% darauf verlassen, dass sie uns nicht von der Seite weicht, wenn wir dies nicht wollten. Für einen ausgewachsenen, gut erzogenen Hund ist das schon eine tolle Leistung, für einen Welpen/Junghund nicht hoch genug anzurechnen. Kenya war da ganz sicher ein Ausnahmehund! 

Sie ist immer ein wenig trödelig durchs Leben gelatscht, darum hatte sie auch ganz schnell den Spitznamen Trödel-Liese von uns bekommen. Im Laufe der Zeit wurde daraus liebevoll „Lieschen“. Und unser Lieschen war sie bis zum letzten Tag. Dieser Kosename passte so unglaublich perfekt zu ihr. Sie war der sanftmütigste Hund, den wir kennen gelernt haben und auch mit Abstand der bravste. Eine Hündin wie Kenya kann jeder sich wirklich nur wünschen, und so sehr man sich auch bemüht, die wenigsten sind oder werden so wie sie. 

Auf dem Weg zu uns nach Hause hat sie ganz still und ruhig in meinem Arm gelegen. Auto fahren mochte sie von Anfang an gerne. Mit Falko hat sie sich auch sofort gut verstanden. Er ist ihr zwar ein wenig aus dem Weg gegangen, als sie noch ganz klein war, aber sie hat nicht locker gelassen und hat sich immer wieder angekuschelt wenn er geschlafen hat. Mit der Zeit ist er immer öfter liegen geblieben. Die beiden waren ein schönes Paar! Einfach perfekt! 

Mitte Oktober 1999 haben wir Kenya röntgen lassen. Das Gutachten war völlig o. k. Beide Ellen waren ED-frei, und bei der Hüfte hat sie ein HD-Verdacht eingetragen bekommen. Somit hätten wir guten Gewissens einen Wurf mit ihr wagen können. 

Eigentlich ist sie fast vom ersten Tag an mit zur Hundeschule gegangen, da Falko gerade in der Ausbildung war. Damals gab es keine Welpengruppen wie heute, das Training war doch ganz anders aufgezogen. Ich habe mit ihr so gearbeitet, wie ich es für richtig gehalten habe. Mit sehr vielen Spieleinlagen und sehr wenig Training. Mit Kenya hätten wir es weit bringen können, wenn wir Ambitionen auf Prüfungen gehabt hätten. Ich wollte mit ihr lediglich die Begleithundeprüfung ablegen, und diese hat sie am 20.11.1999 mit Bravour bestanden. Sie hatte es ganz schwer getroffen. Zum einen war es ein fremder Übungsplatz, und zum anderen ist der Hund, mit dem wir zusammen die Prüfung abgelegt haben, in der Freifolge durchgestartet. Er ist ewig um unsere abgelegte Kenya herum gerast und hat sie zum mitrennen und spielen animiert. Ich ziehe heute noch tief den Hut vor ihr, dass sie die Ruhe hatte, einfach liegen zu bleiben. Ich finde bei so einem jungen Hund gehört da schon einiges dazu. Ich war sehr sehr stolz auf mein Lieschen!! 

Ein halbes Jahr später haben wir angefangen Kenya auf Hundeschauen vorzustellen. Wenn man zwei so tolle Hunde hat und die Bewertungen entsprechend sind – siehe Daten – dann kann das wirklich süchtig machen. Wir hatten auf diesen Veranstaltungen immer viel Spaß und haben manch nette Leute und tolle Hunde kennen gelernt. Entsprechend den Ergebnissen haben wir Kenya auch ankören lassen. "Leider" hat sie sich gegen eigene „Kinder“ entschieden. Vorsorglich wurde die erste Läufigkeit unterdrückt, da wir nicht wussten wie stark Falko auf eine läufige Hündin im Haus reagieren würde. Wir hatten wirklich Bedenken, dass er durch die geschlossenen Türen steigt. Da wussten wir noch nicht, dass es ihm nichts genützt hätte. Kenya hatte nämlich andere Pläne und wollte auf jeden Fall „kinderlos“ bleiben. 

Als sie Anfang Februar 2001 läufig wurde, hatten wir ihre Zuchtzulassung in der Tasche und einen Zwinger im Verband angemeldet, aber sie hat sich nicht belegen lassen. Auch in den folgenden Zyklen hat sie zwar mit Falko gespielt und ihn animiert, aber belegen lassen hat sie sich nicht. Da wir sie nicht von einem fremden Rüden belegen lassen wollten, haben wir mit Falkos Kastration den Wunsch nach einem eigenen Wurf aufgegeben. 

Auch wenn es sicherlich eine ganz besonders schöne Erfahrung ist, selbst gezogene Welpen aufwachsen zu sehen, könnte ich mir dies heutzutage nicht mehr vorstellen. Nicht, weil es mir keinen Spaß mehr machen würde, sondern weil ich schon vom ersten Tag an den Tag des Abschiedes denken würde, und das ist sicher nicht richtig. Ich glaube, ich könnte sie einfach nicht wieder gehen lassen, und da man unmöglich einen ganzen Wurf selber behalten kann, hat Kenya sicherlich auch für mich richtig entschieden. 

So war sie, die kleine Maus, immer völlig selbstlos! 

Als Falko dann 2005 gehen musste, ist für Kenya eine ganz schwere Zeit angebrochen. So lange wir Zuhause waren, fand sie augenscheinlich die neue Situation nicht so dramatisch, weil wir uns natürlich extrem viel um sie gekümmert haben, aber wenn wir nicht Zuhause waren, hat sie stundenlang geweint. Es war ganz schrecklich für uns, von den Nachbarn geschildert zu bekommen, wie sehr unser kleines Lieschen leidet, und für sie war es ganz schrecklich so alleine zu sein. 

Also haben wir uns sofort um einen neuen Partner für sie gekümmert. Uns selber war nicht wirklich danach so schnell einen neuen Hund in der Familie aufzunehmen, aber wir wollten Kenya auf keinen Fall länger als nötig alleine lassen. 

Da wir unbedingt einmal einen Welpen vom SSV aufnehmen wollten, haben wir uns einen Wurf mit 4 kleinen Mädchen ein Stück weiter im Landesinneren angesehen. Leider passte dort gar nichts. Die erwachsenen Hunde der Familie waren nicht entfernt so, wie wir uns das vorgestellt hatten, und die Menschen waren auf einer ganz anderen Welle unterwegs als wir. Nachdem wir uns eine Weile ausgetauscht hatten, wussten wir eigentlich schon, dass wir dort keinen Welpen kaufen wollten. Ich hatte mir mittlerweile über etliche Jahre selber großes Wissen über Hundeaufzucht und Hundeerziehung angeeignet. Bei der Aufzucht des dritten Welpen wollten ich mir nicht sagen lassen welches Futter ich wann zu verabreichen habe. Dies und noch viele andere Dinge sollten sogar vertraglich geregelt werden, das ging dann doch ein wenig zu weit. 

Wir sollten für eine Kontaktaufnahme mit den Welpen Kenya dazu holen. Leider habe ich mich darauf eingelassen. Es war schrecklich für sie. Sie war zu der Zeit eh ein Häufchen Elend, völlig verstört durch den Verlust von Falko. Dann ist sie von einer der erwachsenen Hündinnen angegangen worden. Dass sie nicht gebissen wurde, war reines Glück, weil ich sie aus Reflex gerade noch wegziehen konnte. Zu guter Letzt sind ihr die 4 Welpen nicht mehr vom Pelz gerückt. Welpen kannte sie gar nicht und war entsprechend völlig überfordert. Die Leute haben uns dann am nächsten Tag offenbart, dass sie uns ganz sicher keinen Welpen verkaufen würden, weil Kenya so unnormal ängstlich sei, und weil „bei uns in der Gegend“ ganz viel „schwarz gezüchtet“ würde, und sie würden davon ausgehen, das wir das auch vor hätten, weil wir unbedingt eine Hündin wollten. Da wir noch nie so etwas Unverschämtes erlebt hatten, waren wir doch reichlich schockiert und haben die Welpensuche beim SSV vorerst eingestellt. 

Wir sind dann relativ schnell beim DRC fündig geworden, und so war Kenya vom 17.12.2005 an endlich nicht mehr alleine. Allerdings verlief die Zusammenführung der beiden Hunde etwas anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Wir dachten, sie freut sich über ihre neue Lebensgefährtin, aber das war absolut nicht der Fall. Kenya hat Tyla völlig ignoriert, und sie hat sich absolut zurückgezogen - auch von uns. Nur draußen im Schnee hat sie ab und zu mit ihr gespielt. Da war die Verlockung sogar für Kenya einfach zu groß. 

Abends wenn wir es uns gemütlich gemacht haben, ist Kenya nicht dazu gekommen. Sie ist demonstrativ alleine in der Küche liegen geblieben. Das hat uns fast das Herz gebrochen, weil wir sicher waren, dass es für sie das Beste ist, wenn schnell ein neuer Hund bei uns einzieht. Kenya hatte sich aber scheinbar mittlerweile gut damit zurecht gefunden, alleine zu sein. Wahrscheinlich hatte sie es sogar genossen, dass sie nun endlich ganz im Mittelpunkt stand. Und nun kommt klein Tyla und stiehlt ihr die Show... Das hat ihr definitiv nicht gepasst. 

Wir haben natürlich versucht Kenya so viel wie möglich in dieser Phase zu helfen, aber je mehr wir uns bemüht haben, desto mehr hat sie sich zurückgezogen. Irgendwann haben wir sie einfach in Ruhe gelassen und abgewartet. 

Es hat ein gutes halbes Jahr gedauert. Dann hat sie angefangen sich wieder für uns und auch für Tyla zu interessieren. Sie hat wieder unsere Nähe gesucht und auch zugelassen, dass Tyla sich bei ihr hinlegt. Sie hat ihre alten Stammplätze wieder erobert und ist in unser Leben zurückgekehrt. Es war wirklich so, als wäre sie ein halbes Jahr lang in einer Seifenblase gefangen gewesen. Ganz eigenartig. 

Wir waren sehr erleichtert, als sie wieder angefangen hat fröhlich Kontakt aufzunehmen. Sie hat von da an Tyla akzeptiert, und die beiden sind dann recht schnell ein super Team geworden. Es war sehr rührend, wenn die beiden ganz eng beieinander lagen. Sie sind soooo verschieden und trotzdem haben sie sich später blind verstanden. 

Ende 2006 hat Kenya dann körperlich das ein oder andere „Zipperlein“ bekommen. Sie war die ganzen Jahre nie krank. In Welpenzeiten ab und zu einmal Durchfall, aber nichts Erwähnenswertes. Auf einmal ging es dann doch Schlag auf Schlag. 

Erst haben wir etliche Lipome gefunden, die wir Anfang 2007 entfernt haben, da eines sehr schnell gewachsen ist und eines an einer sehr ungünstigen Stelle war. Dann hat sie – wahrscheinlich aufgrund der Narkose – im Frühsommer Probleme mit der Bauchspeicheldrüse bekommen. Sie war sehr schlapp und lustlos und hat oft Durchfall gehabt. Dies haben wir mit Enzymen und Futterumstellung recht schnell in den Griff bekommen. Wir mussten seit dem natürlich aufpassen, was sie zu futtern bekommt, und es gab immer Phasen wo es ihr nicht ganz so gut ging, aber im Großen und Ganzen kamen wir ohne Medikamente gut zurecht. Nach der Futterumstellung ging es ihr deutlich besser. Sie war wieder lustig wie ein kleiner Clown und hatte auch wieder viel mehr Ausdauer beim laufen. 

Ende des Sommers 2007 hat sie uns dann arg geschockt, als sie plötzlich in Ohnmacht gefallen ist. Auch wenn wir unsere Hunde immer sehr genau beobachten, traf uns dieser Anfall völlig unvorbereitet. Im Nachhinein wurde uns bewusst, dass sie ab und an gehustet hat, aber das dies Anzeichen sein könnten für ein Problem mit ihrem Herzen haben wir nicht erkannt, da sie ausgelassen und lustig wie immer war. 

Eines Abends ging sie in ihren Korb und rutscht etwas unnatürlich zur Seite. Sie ist sofort wieder aufgestanden, und ich habe gedacht, ihre Decke sei weggerutscht. Es ging ihr augenscheinlich prima, und an eine Ohnmacht habe ich in dem Moment nicht im Geringsten gedacht, dies ist mir erst später klar geworden. Nach einigen weiteren Tagen läuft sie mit Tyla durch den Garten, kommt auf mich zugerannt, fängt leicht an zu Röcheln und fällt mit einem Aufschrei spontan um. Ich wusste gar nicht wie mir geschieht. Ich hab sie sofort hochgehoben, und sie war zum Glück auch innerhalb weniger Sekunden wieder ansprechbar. Allerdings war Kenya von dem Vorfall genau so geschockt wie wir. Das konnte man deutlich merken. Von da an hat sie über längere Zeit immer mal wieder kleinere Anfälle gehabt. Jetzt waren wir aber darauf vorbereitet und haben sie beim leisesten Husten gleich abgelegt. Später hat sie sich sogar von selber sofort gelegt, so bald sie Husten musste. Wie schlau doch die kleinen Fellnasen sind… 

Wir sind nach dem ersten Anfall sofort mit ihr zum Tierarzt gefahren und der hat schwerste Herzrhythmusstörungen festgestellt. Wo die so plötzlich hergekommen waren ist ein wenig rätselhaft, zumal sie ein paar Wochen vorher, als wir mit ihrer Bauchspeicheldrüse in Behandlung waren, regelmäßig abgehört wurde. 

Es wurde ein erstes EKG gemacht und zur Auswertung eingeschickt. Die Prognosen waren niederschmetternd, so schlecht war der Befund. Wir haben sie dann auf diverse Herzmedikamente eingestellt. Eine Besserung ihres Zustandes haben wir ca. 3 Wochen später deutlich gemerkt. Nach 5 Wochen wurde noch ein EKG gemacht, und nun war der Befund auch schon zögerlich positiv. Wir haben die Medikamente noch einmal angepasst und ihr Zustand war zufriedenstellend. Mit der Zeit konnte man sehen, dass es ihr immer besser ging. Erst wurden die Anfälle seltener, dann blieben sie ganz aus. 

Weitere 6 Wochen später haben wir ein drittes EKG erstellen lassen, und wir haben das Herz geschallt. Die Befunde waren so, wie wir uns das gewünscht haben. Sie war eindeutig über den Berg. Wir haben die Medikamente noch einmal angepasst, und diese wurden nie mehr verändert. Es ging stetig aufwärts, und wir waren guter Dinge. Sie hustete so gut wie gar nicht mehr, und selbst wenn, kam es zu keinem Anfall. Sie war so belastbar und spritzig wie im Jahr 2006. Nur an ganz heißen Tagen mochte sie nicht mehr so recht laufen, aber ansonsten ging sie mit uns wieder weite Strecken ohne Ermüdungserscheinungen. Was für ein Glück!! 

Ende 2007 ist dann klein Aimee bei uns eingezogen. Wir haben lange überlegt, ob wir Kenya dies zumuten können und wollen. Schließlich war ihre Reaktion auf Tyla nicht entfernt so positiv wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir wollten ihr natürlich, gerade nach der schweren Zeit, auch keinen Grund zur Aufregung geben. Aber nach reiflicher Abwägung haben wir entschieden, dass die Argumente für einen Rudelzuwachs auf jeden Fall überlegen waren. 

Da uns natürlich klar war, dass nicht alle SSV-Züchter so seltsame Ansichten haben werden wie die, die wir schon kennen gelernt hatten, haben wir wieder dort mit der Suche begonnen. Dieses Mal stand unsere Suche unter einem besonders guten Stern. Wir haben einen sehr netten, erfahrenen Züchter gefunden, und es hat alles super gepasst! So ist Ende 2007 die zauberhafte Aimee zu uns gekommen. Kenya hatte zwar nicht von Anfang an mit ihr gespielt, aber sie durfte vom ersten Tag an bei ihr liegen, und die beiden hatten sofort einen Draht zueinander. Kenya hat sich überhaupt nicht zurückgezogen. Im Gegenteil, sie hatte großes Interesse an der Kleinen. Die beiden hatten sehr viel Ähnlichkeit im Charakter und waren sich oft einig. Zeitweise gingen sie gemeinsam an einer Leine, und als Aimee ca. ein Jahr alt war, hat Kenya auch ab und zu mit ihr gespielt. Aimee hatte Kenya noch einmal richtig neuen Schwung gegeben. Es war ganz toll zu sehen, wie sehr sie von diesem jungen Hund profitierte. Wir haben alles richtig entschieden. Wie froh wir doch darüber waren!!!! 

Ende März 2008 hatten wir uns dann entschieden bei Kenya noch einmal etliche Tumore entfernen zu lassen. Es hatten sich schon wieder 3 Lipome gebildet, davon 2 an äußerst ungünstigen Stellen. Noch viel schlimmer war, dass ich einen Mamatumor ertastet hatte, und seit einiger Zeit hatte ihr ein Zahnfleischtumor Probleme gemacht. Sie hatte den ganzen Tag vor sich hingeschmatzt, weil auch dieser so ungünstig angelegt war, dass sie wohl ständig darauf rumgebissen hat. Außerdem hatte sie sich innerhalb von 3 Tagen beide vorderen Wolfskrallen so ungünstig abgerissen, dass diese entfernt werden mussten, damit sie nicht ständig bluten und schmerzen. 

Aufgrund ihrer Herzkrankheit war dieser Eingriff mit erheblichem Risiko verbunden, und wir hatten vier sehr sehr unruhige Stunden bis sie endlich wieder bei uns war. Bis auf die Entfernung des Zahnfleischtumors war alles bestens verlaufen. Der Zahnfleischtumor konnte leider nicht mehr vollständig entfernt werden, da die Narkose auf keinen Fall verlängert werden durfte. Somit mussten wir an dieser Baustelle nachbessern. 

Ich bin dann die folgenden Wochen etliche Male mit ihr in die Praxis gefahren, und wir haben versucht den Tumor zu vereisen. Auch bei solchen Aktionen war unser Lieschen einfach unbeschreiblich!! Ausgerechnet beim Tierarzt stand sie grundsätzlich über den Dingen, und von einem instabilen Hund konnte hier sicher keine Rede sein. Es war bestimmt nicht angenehm das Maul aufzuhalten und sich eine Stelle an Gaumen und Zahnfleisch immer und immer wieder vereisen zu lassen, aber auch nach dem xten Mal, ist sie freudig in die Praxis gelaufen und hat diese Prozedur brav über sich ergehen lassen. Dass ein Hund gerade beim Tierarzt so kooperativ sein kann, kann man fast nur glauben, wenn man es selber sieht. Wir konnten auf diese Weise den Tumor zwar nicht entfernen, aber wir konnten ihn ein wenig zurückdrängen, so dass er sie nicht mehr störte, und scheinbar ist er auch nicht weiter gewachsen. 

Grundsätzlich hatte sie die OP und die Narkose gut überstanden. Sie war eine Weile nicht so belastbar und hat deutlich mehr geschlafen als sonst, aber nachdem alles gut verheilt war, hat man gesehen, das sie sich von Tag zu Tag wieder mehr zutraut. Es hat nicht so sehr lange gedauert, da war sie wieder ganz „die Alte“. Wir waren sehr sehr froh, dass alles so gut verlaufen war! 

Leider konnte man nach recht kurzer Zeit schon wieder 3 Lipome ertasten, und sie hatte auch einen seltsamen Knoten direkt unter der Haut. Beides haben wir vorerst weiter beobachtet. Die Lipome waren an Stellen, wo sie nicht störten und den Knoten hätte man mit örtlicher Betäubung entfernen können. 

Ansonsten war sie quietsch vergnügt und machte uns unglaublich viel Spaß! Als die heißen Sommertage vorbei waren, hatte sie wieder große Lust mit uns zu laufen, und ab und zu führte sie den Tross sogar an. Es machte großen Spaß zu sehen, dass ausgerechnet unser kleines Trödel-Lieschen, die eigentlich immer hinter uns her gelatscht ist, jetzt im gesetzten Alter an der Spitze des Rudels läuft. „Je oller, je doller??!!" Wir hatten ein super schönes Jahr mit unseren 3 Mädchen. Sie haben uns soooo viel Spaß gemacht. Allen voran natürlich unsere Omi Kenya. Wie ausgelassen und fröhlich sie durch die Welt getapst ist... einfach nur schön!! 

Am 06.02.2009 war ich mit Kenya in der Klinik, weil sie auf den Spaziergängen deutlich langsamer wurde. Sie wollte zwar noch immer, auch lange Strecken, mitlaufen, aber sie war wieder die Trödel-Liese von einst, die wir eigentlich gar nicht mehr kannten. Da sie auch vermehrt wieder gehustet hat, was ich als Herzhusten, interpretiert hatte, bin ich mit ihr zur Kardiologin gefahren, in dem Glauben, wir müssten ihre Herzmedis neu einstellen. 

Leider war die Diagnose ganz eindeutig und ganz anders als erwartet. Wir haben als erstes ein Röntgenbild gemacht und haben hierauf einen Lungentumor entdeckt. Der Husten, und dass sie so sehr abgebaut hatte in den Wochen zuvor, war eindeutig auf diesen Tumor zurückzuführen. Ihr Herz war so gut eingestellt wie eh und je. 

Eine Operation wurde sofort als Option ausgeschlossen, dafür war der Tumor schon zu groß. Zur weiteren Diagnostik hätte man in Narkose ein CT oder MRT erstellen und eine Biopsie vornehmen müssen, um herauszufinden um was für eine Art von Tumor es sich handelt, um evtl. eine Chemo-Therapie anzuschließen. 

Nun ist es so, dass wir, so lange wir Hunde haben, immer der Ansicht waren, dass unsere Fellnasen so etwas wie eine Chemo nie über sich ergehen lassen müssen. Was wir selber für uns nicht wollen, wollen wir auch unseren Tieren nicht zumuten. Als die Diagnose nun feststand sind wir doch noch mal sehr ins Grübeln gekommen. In der Theorie sagt man viel, wenn es so weit ist, denkt man anders. ABER nach reiflicher Überlegung und Abwägung der Umstände sind wir eindeutig zu dem Entschluss gekommen, dass wir eine weitere Diagnostik und vor allem die Chemo ablehnen. 

Unsere kleine Liese war zu dem Zeitpunkt fast 10 1/2 Jahre alt, und sie hatte schon 2 schwere Tumor-OP's über sich ergehen lassen müssen. Alleine die Biopsie hätte für sie ein extremes Risiko dargestellt bei der schwere ihrer Herzkrankheit, UND, sollte sich herausstellen, dass eine Chemo möglich wäre, hätte uns keiner sagen können, was genau sie dabei hätte ausstehen müssen, und die vielen neuen Lipome, die schon wieder überall gewachsen waren, wären trotzdem weiter gewachsen. Das alles hat uns dazu bewogen, uns gegen die Chemo zu entscheiden. 

Die Zeit, die ihr noch blieb, sollte sie sich bei uns wohl fühlen und nicht unter den Nebenwirkungen der Chemo leiden, wo keiner eine Prognose stellen konnte, ob diese überhaupt hilft. Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht, aber als sie endlich gefallen war, ging es uns wieder ein klein wenig besser. 

Ich hoffte, wir könnten die letzten Wochen oder Monate noch ganz unbeschwert und glücklich mit ihr leben. Wir wussten nicht genau wie das funktionieren sollte, mit dem Wissen, dass sie bald von uns gehen muss, aber irgendwie musste es möglich sein. Noch hatte sie keine Schmerzen und wir hofften, dass dieses noch sehr sehr lange so bleibt! 

Wir waren fassungslos und unendlich traurig, aber so ist das, wenn man sich dafür entscheidet mit Tieren zu leben, muss man auch solche Situationen irgendwie meistern. Wir haben uns die größte Mühe gegeben, ihr die Zeit, die sie noch bei uns war, so schön wie möglich zu machen. Wir haben sie auf Aminophyllin und Metamizol eingestellt. Somit haben wir ihr das Atmen erleichtert und sie konnte nachts wunderbar schlafen. 

Viele viele Wochen vergingen, und unsere süße Omi war immer noch quietsch vergnügt bei uns. Was für ein Glück!! Im Sommer 2009 ging es Kenya den Umständen entsprechend sehr gut. Trotz der vielen Medis hatte sie einen gesunden Appetit, lief mit uns noch recht weit sehr gerne mit - wenn es nicht gerade viel zu warm zum laufen war!! - und auch sonst hat sie sichtlich ihr feines Leben hier bei uns genossen. 

Auch den Einzug der Pflegis hatte sie ganz entspannt hingenommen. Eigentlich mochte sie früher keine Veränderungen in ihrem Rudel und ihrem Tagesablauf und überhaupt. Aber die letzten Monate konnte es nicht Aufregend genug sein. Wir hatten nach ca. einem Jahr ein erneutes Röntgenbild angefertigt und dieses war erschreckend!! Mehr als die Hälfte der Lunge war einfach nicht mehr zu sehen. Eigentlich hätte es so sein müssen, dass gerade Aufregung ihr nicht gut tut, aber wir hatten uns darauf geeinigt, dass sie ein kleines medizinisches Wunder ist, und freuten uns, dass es ihr soooo gut ging!! 

Auch emotional konnten wir mit ihr hier gut leben. Wir hatten ja erst die Befürchtung, dass uns die Trauer auffressen wird, aber erstaunlicherweise konnten wir dies gut "wegschieben". Die Prognose lautete damals 4 Wochen bis höchstens 4 Monate. Die ersten 4 Wochen waren schlimm, als nichts passierte entspannten wir uns wieder, und je mehr wir uns entspannten, desto entspannter war auch unser Lieschen. So vergingen die Wochen und Monate, und wir erfreuten uns an jedem Tag, wo wir mit ihr hier zusammen gelebt haben, und genau DAS war es was sie brauchte. Fröhliche Menschen und Hunde um sich. Dann war sie auch fein gestellt. 

Als unser süßes Lieschen am 3. Oktober 2009 sage und schreibe 11 Jahre alt geworden ist, haben wir uns mega doll gefreut!! Dass sie DAS geschafft hat.... HAMMER!! Sie war definitiv ein medizinisches Wunder, und wir glaubten mitlerweile, dass der Tumor nicht IN der Lunge war, sondern dass er AN der Lunge angeheftet sein muss. Das letzte Röntgenbild war schon wieder mehr als 4 Monate her, und es wäre fast ausgeschlossen, dass es ihr immer noch so gut ginge, wenn der Tumor IN der Lunge wäre. Wir konnten den Tumor von außen deutlich fühlen, wenn wir sie an der Seite angefasst haben. Es ging ihr aber wirklich super gut. Sie lief täglich mit dem Rudel und uns über Stock und Stein. Natürlich war sie langsam unterwegs, aber es war ganz erstauntlich was für weite Wege sie noch geschafft hat. Da unsere süße Pflegiline Asja auch nicht so schnell laufen konnte, hatte sie sogar einen Kumpel an ihrer Seite. So hatte sie nicht das Gefühl, dass sie hinterher hetzen muss, das war richtig klasse!! Wir haben jeden Tag mit ihr unendlich genossen, und sie sah so aus, als würde sie dies auch tun. Sie machte auf uns einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck. Sie hat gut gefressen und machte ihre Späßchen wie eh und je. Sie war einfach unser Sonnenschein, und wir waren super glücklich, dass sie noch bei uns sein durfte. 

Wir setzten uns ja immer ganz kleine Ziele, die wir erreichen wollten. Ein Ziel war, dass sie auf jeden Fall noch einen frischen Maiskolben vom Feld bekommt. Irgendwann waren die Felder längst abgeerntet... Das nächste Ziel war ein erneutes Berner-Treffen in Handeloh mit unseren Freunden. Auch dieses hat sie noch mitgemacht, und wir freuten uns riesig, weil sie bei diesen aufregenden Treffen immer ganz besonders viel Spaß hatte. Nach wie vor ging es ihr ganz besonders gut, wenn etwas Außergewöhnliches passierte. Das nächste Ziel war Mitte November 2009 ein riesen Vereinstreffen in Rinteln. Wir hofften sehr, dass sie auch dieses noch erleben wird. Aber wir machten uns auch nix vor. Wir erlebten ganz bewußt jeden Tag mit ihr, aber wir hatten auch große Hoffnung, dass sie uns noch sehr lange begleitet. Vom ersten Tag an, wo sie mir sofort auf den Arm geklettert ist und mich angepieselt hat vor lauter Freude, bis zum letzten Tag mit dieser schweren Diagnose, die sie sooo lange Lügen gestraft hat, war sie einfach ein absolut außergewöhnlicher Hund. Sie war unglaublich liebenswert, und wir können kaum in Worte fassen wie glücklich wir sind, dass wir sie damals gefunden haben.

Neues Jahr (2010), neues Glück... so hofften wir jedenfalls. Unserem Lieschen ging es nach wie vor super gut. Wir waren mit ihr zusammen auf beiden Berner-Treffen, UND wir haben mit ihr Weihnachten und Silvester gefeiert, UND sie hat mit all ihren Freunden einen super schönen Winter mit ganz viel Schnee genossen. Es war einfach nur schön, sie so glücklich zu sehen!! 

Im April war ich mit Kenya beim Doc, da sie zwei mal recht schlimm Nasenbluten hatten. Ich wollte abklären lassen woher dies kommt. Ihr Blutbild war grottenschlecht gewesen, und somit haben wir sie geschallt, weil wir befürchteten, dass weitere Organe tumorgeschädigt sein könnten. Dies war zwar scheinbar nicht so, aber Lunge und Herz sahen ziemlich schlimm aus. Das Herz war vergrößert, und die Lunge sass so voller Tumore, dass der ein oder andere auf das Herz drückte. Dies führte dazu, dass der Druck in ihr ab und an so sehr anstieg, dass sie Nasenbluten bekam. 

Leider konnten wir gar nichts machen, aber noch hatte sie ganz sicher keine Schmerzen, und so lange sie frisst und mit dem Rudel mitläuft war alles vertretbar. Wir haben einfach nach wie vor jeden Tag mit ihr sehr genossen, und wir hofften doll, dass sie ihren Weg finden wird. Es ist für einen Hund, der im Rudel lebt sicher nicht so einfach loszulassen. Dazu kamen noch die vielen Herzmedis, die das Herz stark machten und ihr vorgaukelten es wäre alles supi... Wir haben sie mit Argusaugen beobachtet, um schnell eingreifen zu können, wenn der Tag kommt, wo ihr Leben einfach nicht mehr lebenswert ist. 

Im Mai 2010 hatten wir ein neues Ziel: 29.05.2010 großes Hundetreffen in Rinteln. Wir hofften doll, dass sie dies noch einmal erleben darf. 

Das Treffen in Rinteln hat sie super gemeistert. Wie immer hat sie es sooo sehr genossen den Menschen die Leckerchen aus den Taschen zu ziehen. Da war sie dann wirklich unermüdlich den ganzen Tag unterwegs. Es war super schön, dass sie dies noch einmal mitmachen konnte. Danach waren wir noch mal mit kleineren Gruppen unterwegs, aber dies hatte leider absolut keinen Sinn mehr. Sie konnte nur noch sehr wenig laufen und sie bekam nun auf solchen Treffen doch bissi Stress, und beides zusammen war einfach nichts mehr für sie. Das war sehr sehr schade, denn unsere Hundetreffen hatte sie immer ganz besonders genossen. Aber negativer Stress war etwas, was sie definitiv nicht haben sollte. 

ABER das Nasenbluten hatte dauerhaft aufgehört. Zum Glück hatte sich die Ader wieder völlig verschlossen, dafür hatte sich leider eine neue, nicht weniger schlimme Baustelle aufgetan. Kenya quälte sich zunehmend mit Cauda Equina rum. Sicherlich hatte sie diese Defekte schon ewig und wahrscheinlich war das auch ein Grund mit, warum sie immer weniger laufen mochte, aber dass sie offensichtlich darunter leidet, war ganz plötzlich aufgetreten. Von jetzt auf gleich konnte sie fast nicht mehr alleine aufstehen, und sie konnte auch nur noch sehr sehr begrenzt laufen. Es war sehr traurig mit anzusehen, dass sie gerne wollte, aber nicht mehr wirklich konnte. Es brach uns wirklich fast das Herz, zumal sie sonst wieder gut beieinander war. Wir haben versucht sie mit Schmerzmittel, Physio und homöopathischen Medis so lange es irgend geht am Laufen zu halten. Unsere große Hoffnung war, dass es ihr wieder deutlich besser geht, wenn sie die Läufigkeit (die sie trotz Hormonspritze auch noch über sich ergehen lassen muss) hinter sich gelassen hat. Es war die letzten Jahre bei ihr immer eine Phase, in der es ihr viel schlechter ging, und von daher war es ja nicht so abwegig, dass es dieses mal auch so ist. Wir haben uns dies jedenfalls sehr gewünscht!! Wir sind mit allen fast nur noch auf riesige Wiesen gefahren. So konnte Kenya sich im Gras wälzen, was sie für ihr Leben gern getan hat, und die anderen 3 konnten toben und rennen wie sie lustig waren. Das hat gut funktioniert! 

Ansonsten hatten wir wie immer ein Ziel vor Augen, dem fieberte sie schon jeden Tag entgegen...  Der erste frische Maiskolben vom Feld. 

Manchmal kommt es eben anders als man es sich wünscht. Die arme Maus musste nun nicht nur die Läufigkeit über sich ergehen lassen, sondern sie hatte auch noch eine schlimme Gebärmutterentzündung davon getragen. Da eine OP in ihrem Zustand völlig ausgeschlossen war, haben wir versucht, diese mit Medis zu behandeln. Leider war uns dies nur mit mäßigem Erfolg gelungen. Wir haben 2 Wochen alle 3 Tage eine Blutuntersuchung gemacht, und dabei hatte sich heraus gestellt, dass die Leukos zwar am Anfang der AB-Gabe deutlich zurück gegangen waren, sie aber dann wieder kontinuierlich anstiegen, trotzdem sie weiter AB bekam. Außerdem waren ihre Nierenwerte im roten Bereich, und auch diese hatten sich von mal zu mal verschlechtert. Wir mussten davon ausgehen, dass sich Metastasen an die Nieren gesetzt haben. Da sich auch ihr Gangbild nicht verbesserte (eine Cortisongabe war bei den Blutwerten auch zukünftig völlig ausgeschlossen), hatten wir somit beschlossen, dass wir ab sofort der Natur ihren Lauf lassen. Wir haben außer Herz-/Lungen- und Schmerzmedis mit jeglicher Behandlung aufgehört. 

Auch wenn uns diese Entscheidung sehr sehr schwer gefallen ist, waren wir der Überzeugung, dass wir nun den letzten Teilabschnitt ihres Weges mit ihr gehen sollten. Sie war in alle Richtungen austherapiert und weitere Diagnostik oder Medis hätten daran nichts mehr ändern können. Wir versuchen immer alles menschenmögliche für unsere Tiere zu tun, aber wir waren der Meinung, dass wir ihr von hier an keinen Gefallen mehr damit tun, immer noch mehr oder andere Tabletten oder Infusionen auszuprobieren.

Trotz aller Baustellen, war sie nach wie vor sooooo süß!! Sie war immer noch gut gelaunt, räkelte sich genüsslich im Gras, wenn wir unterwegs waren und war nach wie vor sehr interessiert an ihrer Umwelt. Sie wollte immer noch unbedingt mit dem Rudel mit, und sie hat gefressen. Somit war klar... die Devise hier... jeden Tag mit ihr in vollen Zügen genießen, aber sollte sie uns irgendwann sagen, dass sie lieber auf die Sternchenwiese zu Falko möchte, dann wird sie erhört werden von uns. Falko's Todestag war der 6.9. und irgendwie rückten wir diesem Tag gerade sehr deutlich näher... Das dieses ein beklemmendes Gefühl in uns auslöste, können wir nicht von der Hand weisen. 

Wir haben uns an den Wochenenden mit lieben Freunden getroffen und unser Lieschen hat dies sehr genossen. Sie hat sogar ihre Freundin Asja noch einmal wieder gesehen. Wir haben zusammen ein Picknick an einem See gemacht. DAS fand sie super klasse. Überhaupt hatte Wasser auf sie immer eine sehr große Anziehungskraft, obwohl sie nie schwimmen gegangen ist. Eine liebe Freundin wohnt ganz in der Nähe von einem schönen See, da haben wir zusammen auch noch einen wundervollen Tag erlebt. 

Sie war die letzten 2 Wochen extrem lustig unterwegs, sie hat Dinge getan, die hatte sie schon Monate lang nicht mehr gemacht. Sie hatte früher immer gerne auf dem Hundesofa gelegen. Dies war ihr lange Zeit nicht wichtig, aber die letzten 2 Wochen ist sie immer hingelaufen und hat sich mächtig gefreut, wenn ich ihr rauf geholfen habe. Sie war einfach ausgelassen und unbeschwert, und das obwohl man sehen konnte, dass ihr Leben immer beschwerlicher wurde. Sie hat sich das nicht anmerken lassen und hat einfach so getan als wäre alles in Ordnung. Einzig die Futteraufnahme wurde immer schwieriger. Sie hatte Hunger und wollte auch fressen, aber wenn sie es vor der Nase hatte, dann hat sie sich gegruselt, das konnte man sehen. Das tat mir sehr sehr leid. Wenigstens unterwegs hat sie aus der Hand doch so viel gefressen, dass es ausreichend war. Sie hat gekämpft wie eine Löwin. Es war einfach unglaublich wieviel Kraft in diesem Hund steckte. 

Äußerlich hatte sie sich sehr verändert. Sie hatte sehr viel Fell verloren und die Muskeln haben sich immer weiter zurück gebildet. Dadurch wurde sie irgendwie unendlich weich. Ich hätte sie den ganzen Tag kuscheln und knautschen können, aber das mochte sie immer nicht so gerne, also habe ich mich so gut es ging zurück gehalten. Ihr Blick war aber noch nach wie vor keck, und sie war immer noch sehr präsent und wach. 

Bis dann der 10.09.2010 kam... 

Von jetzt auf gleich war der Akku leer. Sie wollte morgens schon nicht mit uns laufen. Da hab ich sie aber noch überreden können. Unterwegs hat es mir leid getan. Ich dachte, ein wenig Ansporn tut ihr gut, aber sie war soooo langsam. Sie hat den Weg geschafft, aber sie war müde und wollte nur noch schlafen. Nachmittags ging es ihr dann deutlich besser (dachte ich), und sie wollte auch unbedingt mit. Ich bin extra nur hier im Dorf ein paar Schritte gelaufen, aber auch die waren ihr zuviel, sie hat sich im Gras abgelegt und wollte nicht mehr aufstehen. Da wusste ich, jetzt wird es so weit sein... Ihr Blick hatte sich verändert... Sie hat mich angesehen, und sie sah sooooooooooooo müde aus... 

Als es ihr am nächsten Morgen nicht besser ging und sie kaum noch den Weg vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer geschafft hat, hat sie mich mit dem gleichen Blick vom Tag zuvor angesehen... sie war soooooooooo unendlich müde... Der ewige Kampf war zu Ende. Sie wusste das, und wir wussten das auch. Nach dieser ewig langen Zeit, wo es dann doch immer wieder weiter ging, hat es ein paar Stunden gedauert bis ich mir ganz sicher war, aber dann wurde es auch höchste Zeit...
 Wir haben ihr somit am 11.09.2010 den größen Liebesdienst erwiesen, den ein Mensch seinem Tier in so einer Situation erweisen kann. Wir haben ihr geholfen, über die Regenbogenbrücke zu gehen. Durch die vielen Herzmedis wäre es für sie fast unmöglich gewesen den Weg alleine zu gehen, somit war es an uns ihr etwas von ihrer Liebe wieder zu geben, und ihr zu helfen. Ich bin mir sicher, dass sie genau wusste was passieren wird, und sie war sehr entspannt und ist ganz ruhig in meinem Arm eingeschlafen.
 

Der Schmerz, den wir fühlen ist nicht in Worte zu fassen. Auch wenn wir lange wussten, dass dieser Tag kommen wird... es zerreißt uns, es betäubt uns und es ist kaum auszuhalten, aber wir sind auch voller Liebe und Frieden, weil sie nun endlich ihre Ruhe gefunden hat. 

Liebes Lieschen, wir danken dir so sehr für all die schönen Jahre, die wir mit dir erleben durften. Du warst so eine liebe Seele, und du hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke. Du wirst IMMER ganz ganz tief in unseren Herzen sein, und wir wünschen uns und vor allem DIR, dass es dir jetzt gut geht, dort wo du bist, dass du keine Schmerzen und keine Angst hast, und vor allem, dass du DEINEN Falko wieder gefunden hast. DAS wünschen wir uns mehr als alles andere. Du hast ihn so sehr vermisst... Hoffentlich wusste er das du kommst. 

Irgendwann sehen wir uns alle wieder.... ich glaube ganz fest daran!

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